November-Lockdown drosselt die britische Wirtschaft erneut

Seit dem 6. Januar herrscht in Großbritannien wieder ein strenger Lockdown. Die Verbreitung einer hochansteckenden Mutation des Corona-Virus hatte die Zahl der Neuinfektionen über Weihnachten und Neujahr erschreckend schnell in die Höhe schießen lassen. Damit befindet sich das Land inmitten der dritten Infektionswelle, nachdem es gerade erst die zweite Welle vom Herbst mehr schlecht als recht unter Kontrolle gebracht hatte. Für den gesamten November hatte Premierminister Boris Johnson dem öffentlichen Leben einen weitgehenden Stillstand verordnet – nicht-essentielle Geschäfte, Freizeiteinrichtungen sowie Pubs und Restaurants mussten schließen, Arbeitnehmer waren aufgerufen, von zu Hause zu arbeiten.

Welche Auswirkungen die Maßnahmen auf die britische Wirtschaft hatten, zeigen die aktuellen Zahlen zur Wirtschaftsleistung. Das Bruttoinlandsprodukt sank im November um gut 2 ½ Prozent gegenüber dem Vormonat Oktober – verglichen mit dem Frühjahr ein relativ glimpfliches Ergebnis. Hart getroffen hat es allerdings erneut die Gastronomie, deren Output sich im Monatsvergleich fast halbierte. Der Groß- und Einzelhandel kam dagegen vergleichsweise ungeschoren davon, hier sorgte der kräftige Online-Handel für einen starken positiven Beitrag. Und das verarbeitende Gewerbe konnte trotz der Einschränkungen sogar expandieren, dafür sorgten hohe Exporte und eine Aufstockung der Vorratsläger mit Blick auf den Brexit zum Jahreswechsel.

Anfang Dezember hatte die britische Regierung die Corona-Beschränkungen wieder gelockert. Die britische Wirtschaft dürfte sich daher im Schlussmonat des vergangenen Jahres wieder leicht erholt haben. Trotzdem wird das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal insgesamt wohl leicht geschrumpft sein. Der Auftakt des neuen Jahres dürfte aufgrund der wieder neu verordneten und noch einmal strikteren Maßnahmen jedoch wesentlich schwächer ausfallen. Hinzu kommen nämlich jetzt noch die Friktionen, die der Austritt Großbritanniens aus dem EU-Binnenmarkt zum Jahresauftakt mit sich gebracht hat.

Großbritannien fällt im Winterhalbjahr also erneut in die Rezession zurück. Zudem dürfte die wirtschaftliche Erholung nach Lockerung der Corona-Beschränkungen weniger dynamisch ausfallen, als wenn Großbritannien dann noch Mitglied im Binnenmarkt wäre. Vor diesem Hintergrund haben wir unsere Konjunkturprognose unlängst deutlich abgesenkt. Für das neue Jahr 2021 rechnen wir nur noch mit einem vergleichsweise geringen Wirtschaftswachstum von gut einem Prozent. Erst 2022 dürfte sich Großbritannien mit einem kräftigen Wachstum von rund 5 ½ Prozent dem globalen Post-Corona-Boom anschließen können. Aber auch dann wird das Land das Vorkrisenniveau seiner Wirtschaftsleistung noch nicht ganz wiederherstellen können.

Monika Boven


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