Ein Vorgeschmack auf den harten Brexit

Die Regierungen von elf EWU-Ländern haben am Wochenende entschieden, ihre Grenzen für Güter und Personen aus Großbritannien für mindestens 72 Stunden zu schließen. Auf einer Notfallsitzung der EU könnte diese Maßnahme heute sogar auf die gesamte EU ausgeweitet werden. Mit dieser Entscheidung reagiert die EU auf die rasante Ausbreitung einer neuen Covid-Mutation in Großbritannien, die laut Schätzung der Experten 70% ansteckender ist als das bisherige Virus. Die Entscheidung die Grenzen zu schließen hat dramatische Auswirkungen auf die Reisetätigkeit, vor allem aber auf den Warenhandel. In Kent haben sich bereits riesige LKW-Staus gebildet, der Hafen von Dover wurde vorübergehend geschlossen. Auch wenn die von den EU-Ländern eingeführte Maßnahme zunächst nur den Warentransport aus Großbritannien heraus betrifft, ergeben sich dadurch natürlich auch Probleme für den Warentransport nach Großbritannien. Hier mehren sich nun die Sorgen, dass es über Weihnachten Warenknappheiten geben könnte. Zwar versucht die Regierung diese Ängste zu beschwichtigen, so seien Supermärkte gut vorbereitet und hätten adäquate Lagerbestände, ein Run auf die Geschäfte dürfte jedoch kaum zu vermeiden sein. Somit bekommen die Briten zehn Tage vor dem Ablaufen der Brexit-Übergangsphase einen kleinen Vorgeschmack darauf, was sie am 1. Januar 2021 erwarten könnte, sollte es bis dahin nicht gelingen eine Einigung mit der EU zu erreichen.

Die Verhandlungen laufen weiter auf Hochtouren, weiterhin ist jedoch unklar ob es gelingen kann, in der kurzen verbleibenden Zeit die notwendigen Kompromisse zu schließen. Angesichts der dramatischen Entwicklung der Corona-Krise sollte sich in Downing Street eigentlich spätestens jetzt die Erkenntnis durchsetzen, dass ein harter Brexit am Ende des Jahres weder wirtschaftlich noch politisch tragbar ist. Weiterhin setzt Boris Johnson jedoch alles auf eine Karte. Die sture Haltung des Premierministers nimmt langsam bizarre Züge an. So weigert er sich nach wie vor beharrlich, eine Verlängerung der Übergangsphase in Betracht zu ziehen. Und das obwohl mittlerweile vollkommen klar ist, dass es selbst im Falle einer Einigung in den kommenden Tage nicht mehr möglich sein wird, einen Vertrag zu ratifizieren. Der Markt goutiert die jüngsten Entwicklungen mit Verlusten, das Pfund handelt aktuell auf Kursen um 1,33 USD. Damit ist die Währung jedoch weiterhin meilenweit von Kursen entfernt, die wir im Falle eines Scheiterns der Verhandlungen erwarten würden.

-- Sonja Marten


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