Chinas Wirtschaft „brummt“ wieder

Chinas Wirtschaft läuft wieder Hochtouren, insbesondere in der Industrie „brummt“ es, während der Einzelhandel seine Verluste aus dem Frühjahr immer mehr aufholt. Das zeigen die aktuellen Zahlen zur Industrieproduktion (7% J/J) und zu den Einzelhandelsumsätzen (5% J/J) vom November. Gleichzeitig sind die Stimmungswerte aus der Industrie und dem Dienstleistungssektor fast durchgängig auf mehrjährige Höchststände geklettert. Der Schwung der Corona-Erholung hat sich also im zu Ende gehenden Schlussquartal des Krisenjahres 2020 ungebremst fortgesetzt. Das Wirtschaftswachstum dürfte momentan wieder an die Vor-Corona-Zeit anknüpfen, wir rechnen mit einer Wachstumsrate von rund sechs Prozent im laufenden vierten Quartal. Im Gesamtjahr 2020 zählt China zu den ganz wenigen Volkswirtschaften, die überhaupt ein positives Wirtschaftswachstum erzielen.

Es grenzt schon an bittere Ironie, dass sich das Ursprungsland der Pandemie zu einem der Gewinner der Krise entwickelt hat. Vor allem Chinas Exportwirtschaft profitiert – trotz globaler Rezession – von der weltweit hohen Nachfrage nach industriell gefertigten Gütern. Das Land produziert, was in der Krise besonders gefragt ist: Medizinische Schutzausrüstung, Büromöbel, elektronisches Equipment für Arbeit und Freizeit. Aber auch Heimwerkerbedarf findet reißenden Absatz, denn viele Verbraucher, insbesondere in den Industrieländern, geben ihr Geld statt für Urlaub, Restaurant- oder Konzertbesuche jetzt für Investitionen in „die eigenen vier Wände“ aus. Daher verwundert es kaum, dass China insbesondere in Nordamerika und Europa kräftige Absatzzuwächse verzeichnen kann und seine Marktanteile in den vergangenen Monaten deutlich ausweiten konnte.

Eine zweite Infektionswelle scheint China dank seiner rigorosen „Null-Fälle-Politik“ vermeiden zu können. Sicherlich sind die überwachungsstaatlichen Methoden, die die chinesische Führung hierbei anwendet, aus westlicher Sicht mehr als fragwürdig. Es ist damit aber gelungen, die Konsumlaune der Chinesen wiederherzustellen und die Binnennachfrage deutlich zu stärken. Viele Dienstleister profitieren aktuell von kräftigen Nachholeffekten. Darüber hinaus sorgen auch staatliche Investitionsmaßnahmen weiterhin für eine Stabilisierung der Binnenwirtschaft.

Der aktuelle Exportboom bleibt eine Sonderkonjunktur. Sie wird dann auslaufen, wenn mit einer zunehmenden Zahl von Corona-Impfungen weltweit starke Nachholeffekte beim Konsum von Dienstleistungen auftreten werden. Auch die Abschottung nach außen, mit der China sich vor „eingeschleppten“ Infektionen schützt, kann auf Dauer wirtschaftlichen Schaden anrichten. Und schließlich gibt es noch das unlängst unter dem Schlagwort „dual circulation“ formulierte Ziel Pekings, sich unabhängiger von der Weltwirtschaft zu machen, was zwischenzeitlich zu Produktivitätsverlusten führen könnte. Für den mittelfristigen Ausblick bestehen also zahlreiche Abwärtsrisiken.


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