Zeitenwende am deutschen Arbeitsmarkt

Der deutsche Arbeitsmarkt befindet sich im Umbruch: Lange Zeit stand die Bekämpfung einer hohen Arbeitslosigkeit im Zentrum der Bemühungen. Galt es in den 80er und 90er Jahren, die geburtenstarken Jahrgänge in Lohn und Brot zu bringen, sorgen niedrige Geburtenziffern heute für einen Mangel an qualifiziertem Nachwuchs. Das Thema Fachkräftemangel rückt immer stärker in den Vordergrund.

Spätestens wenn die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand gehen, droht ein drastischer Rückgang des Arbeitsangebots. Ohne Gegenmaßnahmen wird sich der heute bereits in technischen Berufen, bestimmten Handwerkssparten und der Pflege beobachtbare Fachkräftemangel auf immer mehr Branchen ausdehnen und an Intensität gewinnen. Der Altersstrukturwandel unserer Gesellschaft bietet zwar die Chance, das Problem der Arbeitslosigkeit nachhaltig in den Griff zu bekommen. Eine Verschärfung des Fachkräftemangels ist jedoch nicht weniger problematisch: Bereits heute müssen Betriebe immer öfter Aufträge schieben oder ganz ablehnen, weil qualifizierte Kräfte fehlen. Wenn Unternehmen trotz guter Absatzperspektiven gar vor Investitionen zurückschrecken, bremst das das Potenzialwachstum der gesamten Volkswirtschaft.

Digitalisierung kann zu einer effizienteren Produktion beitragen und so den Arbeitskräftebedarf senken. Allerdings verändern sich auch die notwendigen Qualifikationen: Zu den „Digitalisierungs-Verlierern“ dürften z.B. einfache Bürotätigkeiten, der Ladenverkauf, das Lebensmittelhandwerk und Fahrzeugführer zählen. Dagegen bleiben Qualifikationen aus den MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik gesucht. Die digitalisierungsbedingte Verbesserung der Arbeitsproduktivität wird alleine jedoch nicht ausreichen, um dem Fachkräftemangel erfolgreich zu begegnen. Nur mit Maßnahmen wie einem Fachkräfte-Einwanderungsgesetz, der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Anreizen, länger zu arbeiten, lassen sich die Probleme lösen. Außerdem gilt es, ein digitalisierungsfreundliches Umfeld zu schaffen, zu dem entsprechende Ausbildungsprogramme, der flächendeckende Ausbau mit schnellem Internet und eine verstärkte Forschungsförderung zählen.


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