Zentralbanken / Rentenmärkte

Grüne Geldpolitik: EZB zwischen gebotenem Engagement und drohender Überforderung

Der Klimawandel stellt eine erhebliche Bedrohung für die Wirtschaft und die Menschheit im Allgemeinen dar. Im Zuge einer Überprüfung der geldpolitischen Strategie beraten die europäischen Notenbankvertreter gegenwärtig, wie sich die EZB im Rahmen ihres Mandats im Kampf gegen den Klimawandel stärker engagieren kann. Marktseitig gibt es bereits erste Stimmen, welche die Bestrebungen der Notenbank in Richtung einer grüneren Geldpolitik kritisieren. Hierbei steht unter anderem die Frage im Raum, inwieweit dieses Engagement vom eigentlichen EZB-Mandat zur „Wahrung der Preisstabilität“ gedeckt ist. Die Notenbank-Oberen verweisen in diesem Zusammenhang darauf, dass Klimaveränderungen sich unmittelbar auf die Inflationsentwicklung auswirken können. Naturkatastrophen in Folge einer Erwärmung der Atmosphäre könnten zu Missernten führen und steigende Nahrungsmittelpreise nach sich ziehen oder extreme Wetterereignisse Vermögensschäden hervorrufen und sich Verbraucher daher mit ihrem Konsum zurückhalten. Vor diesem Hintergrund könnte es geboten erscheinen, dass die Notenbank die mit dem Klimawandel einhergehenden Risiken für die Preisstabilität genau im Blick behält und…

Niederländische Parlamentswahl – Europa behält seinen Frugalisten

Der amtierende Premier Mark Rutte von der liberalkonservativen VVD hat die gestrige Parlamentswahl klar gewonnen. Nach Auszählung von knapp 80% der Stimmzettel erhält seine Partei 36 von 150 Sitzen in der Tweede Kamer – ein Zugewinn von drei Sitzen und das stärkste Ergebnis für die VVD seit 2012. Rutte konnte vor allem vom „Exekutivbonus“ der Corona-Krise profitieren, der in vielen Ländern seit Pandemieausbruch beobachtet werden konnte. Die Überraschung des Wahlabends war allerdings das gute Abschneiden des bisherigen Koalitionspartners, der sozialliberalen D66, die mit 24 Sitzen auf dem zweiten Platz folgen und den größten Zugewinn aller Parteien vorzeigen können. Der Zugewinn basiert nicht nur auf der Beliebtheit der Parteivorsitzenden, sondern auch darauf, dass die Partei im Wahlkampf strategisch in der Lage war, Themenfelder links und rechts der politischen Mitte zu besetzen. Zu den Verlierern des Wahlabends zählen unter anderem der Rechtspopulist Geert Wilders, der nicht nur den zweiten Platz im Parlament,…

5 Jahre Nullzinspolitik – Zeit für ein kurzes Résumé

Fünf Jahre Nullzinspolitik stellen eine gefühlte Ewigkeit dar. Insbesondere wenn man bedenkt, dass seit Einführung des Euro die bis dahin längste Phase unveränderter Leitzinsen gut zwei Jahre andauerte. Zwischen Juni 2003 und September 2005 lag der Hauptrefinanzierungssatz konstant bei 2%. In den restlichen Jahren bis 2016 waren regelmäßige Anpassungen eher die Norm. Gut möglich, dass die EZB auch nach März 2016 den Hauptrefinanzierungssatz gerne weiter gesenkt hätte – aber mit einem Niveau von 0% war eine untere Grenze erreicht. Als Ausweichinstrument bot sich nur noch der Einlagesatz, der schrittweise bis auf -0,5% gesenkt wurde. Das ursprüngliche Ziel, mit einer derart weiten Absenkung der Leitzinsen deflationären Tendenzen entgegenzuwirken, dürfte die EZB erreicht haben. Allerdings kann das nur als Minimalziel verstanden werden. Schließlich besteht das Mandat der EZB darin, mit einer Inflationsrate von knapp unter 2% die Preisstabilität im Euroraum zu gewährleisten. Vor dem Hintergrund, dass die durchschnittliche Inflationsrate in den letzten…

EZB stemmt sich gegen Renditeanstieg

Seit der letzten Zusammenkunft der Notenbank-Oberen sind die zehnjährigen Bundrenditen in der Spitze um 23 Basispunkte angestiegen. Auch wenn ein gewisser Renditeanstieg aufgrund der zu erwartenden konjunkturellen Erholung in der zweiten Jahreshälfte gerechtfertigt erscheint, ist die Dynamik den Währungshütern ein Dorn im Auge. So könnte ein übermäßig rascher Anstieg der Kapitalmarktrenditen die Erholung der Wirtschaft ausbremsen. Vor diesem Hintergrund haben die Notenbank-Oberen zuletzt auch verbal interveniert. Nichtsdestotrotz bewegen sich die Bundrenditen nach wie vor merklich oberhalb der Niveaus von Mitte Januar (-0,48%). Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass Lagarde zumindest versuchen wird, den weiteren Aufwärtsspielraum der Renditen im Euroraum zu limitieren. In diesem Zusammenhang wird die EZB-Chefin hervorheben, dass die ultra-expansive Geldpolitik noch geraume Zeit fortgesetzt wird. Sollte sich dieser Hinweis als nicht ausreichend erweisen, um dem Aufwärtsdrang der Renditen Einhalt zu gebieten, dürfte unserer Einschätzung nach das PEPP verstärkt zum Einsatz kommen. So wäre es durchaus vorstellbar,…

Parlamentswahlen in den Niederlanden – Südeuropa behält seinen politischen Gegenspieler

Am 17. März finden in den Niederlanden allgemeine Parlamentswahlen statt. Pandemie-bedingt wird die Wahl anders als sonst üblich ablaufen müssen. Die Wahlurnen werden bereits am 15. März geöffnet, um größere Menschenansammlungen zu vermeiden. Ein Kernthema des bisherigen Wahlkampfs ist zunächst einmal – nicht sehr überraschend – die Bewältigung der Corona-Krise. Aber auch die Unterstützung und Förderung des niederländischen Mittelstands sowie von Kleinunternehmen und Start-Ups spielen im Wahlkampf eine wichtige Rolle. Ein Blick auf das aktuelle Umfragebild zeigt gute Chancen für Premier Rutte, die Wahl zu gewinnen. Die Demoskopen sprechen Ruttes liberalkonservativer VVD aktuell im Schnitt knapp 38 von 150 Sitzen im Parlament zu – Platz eins! Auf dem zweiten Platz liegt mit im Schnitt knapp 22 Sitzen die rechtspopulistische PVV unter der Parteiführung Geert Wilders. Der PVV-Parteivorsitzende ist ein starker Kritiker der Europäischen Union und der Währungsunion. Der Rest des sehr fragmentierten Parteienspektrums liegt etwas weiter abgeschlagen mit jeweils weniger…

Leitzinserhöhungserwartungen beflügeln die tschechische Krone

Die tschechische Krone lässt dieser Tage gegenüber dem Euro die Muskeln spielen und nimmt hierbei Kurs auf ihre Vor-Corona-Niveaus von Anfang März 2020. Rückenwind erfährt die kleine CE3-Währung derzeit nicht nur von dem freundlichen Marktsentiment gegenüber Schwellenländerwährungen. Vielmehr spielen ihr auch die jüngst besser als erwartet ausgefallenen vorläufigen tschechischen Wachstumszahlen für das Schlussquartal 2020 sowie besonders die dort aufgekommenen Leitzinserhöhungserwartungen in die Hände. Nahrung erhielten diese geldpolitischen Spekulationen u.a. durch Äußerungen des tschechischen Notenbankchefs Rusnok, welcher jüngst bis zu zwei Leitzinsanhebungen in diesem Jahr in Aussicht gestellt hat. Wenngleich die geldpolitische Freude der Krone angesichts der drastischen Lockerungen im vergangenen Jahr nur allzu verständlich ist, so warnen wir an dieser Stelle vor zu viel Euphorie und geben zu bedenken, dass die Krone womöglich noch einiges an Geduld wird aufbringen müssen, bevor die tschechischen Währungshüter (CNB) wirklich aktiv werden. Einen Hinweis hierauf gab zuletzt wieder einmal niemand geringeres als der dortige…

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