Zentralbanken / Rentenmärkte

Niederländische Regierung tritt zurück – kein Grund zur Panik

Rund zwei Monate vor der Parlamentswahl am 17. März ist die niederländische Regierungsmannschaft geschlossen zurückgetreten. Der Hintergrund für den überraschenden Rücktritt liegt in einer Affäre um Kinderbeihilfen. Um vermeintlichen Betrug zu bekämpfen, hatten niederländische Steuerbehörden von etwa 2013 bis 2019 von Eltern jeweils Zehntausende Euro Kinderbeilhilfen zurückgefordert. Rund 20.000 Familien gerieten in den Niederlanden so in finanzielle Not. Eine Untersuchungskommission kam im Dezember letztendlich zu dem Urteil, dass diese Praxis Unrecht war und die „Basisprinzipien des Rechtsstaates“ verletzt wurden – ein herber Schlag für die niederländische Politik. Rutte und sein Team übernehmen zwar die politische Verantwortung für das Debakel, insgesamt kann der geschlossene Rücktritt aber eher als symbolischer Akt verstanden werden – kein Grund zur Panik. Sigrid Kaag, Ministerin für Außenhandel, sagte hierzu: „Das Vertrauen in den Staat muss wiederhergestellt werden.“ Der Regierungsrücktritt trifft die Niederlande mitten in der Corona-Krise: Die Neuinfektionszahlen liegen trotz der massiven Beschränkungen für die Bevölkerung…

Betreibt die polnische Notenbank „Window Dressing“?

Der polnische Zloty ist zuletzt ungeachtet des freundlichen Risikosentiments des Marktes auf breiter Front unter spürbaren Abgabedruck geraten. Ursächlich dafür waren in erster Linie Marktspekulationen, wonach die polnische Notenbank (NBP) nicht nur am 18. Dezember, sondern auch noch einmal am 29. Dezember am Devisenmarkt interveniert haben könnte, um den Zloty zu schwächen. Bereits der erste potenzielle Eingriff der NBP warf angesichts eines nach wie vor hohen nationalen Preisdrucks sowie eines alles andere als starken Zlotys Fragen auf. Marktseitig mehrten sich Spekulationen, wonach die NBP Ende 2020 womöglich ihren Notenbankgewinn, der ja größtenteils an den Staat ausgeschüttet wird, durch entsprechende Bewertungseffekte ihrer Fremdwährungsreserven gesteigert haben könnte. So wirkt sich doch eine Aufwertung des Zloty dahingehend negativ auf das Finanzergebnis der NBP aus, als dass sie den Wert ihrer Fremdwährungsreserven in Zloty verringert. Angesichts des sich auch in Polen Corona-bedingt deutlich ausweitenden Haushaltsdefizits erscheinen solche Überlegungen nicht allzu abwegig. Sollten sich die…

Yield Curve Control‘ à la EZB

Implizite Zinsvolatilitäten haben eine bestimmte Signalwirkung am Rentenmarkt. Vordergründig können die Händler von Zinsoptionen mit dieser Stellschraube die Prämie für Zinsabsicherungen, kündbare Termingelder oder kündbare Zinsstrukturen bestimmen. Im Kern verbergen sich dahinter aber weniger komplexe Formeln als vielmehr Erwartungen über die Schwankungsanfälligkeit des betreffenden Zinses. Man kann also an der Entwicklung der impliziten Zinsvolatilität ablesen, mit welcher Wahrscheinlichkeit die Marktteilnehmer auf kurze, mittlere oder lange Sicht (abhängig von der Laufzeit der dazugehörigen Option) eine nachhaltige Änderung des Zinsniveaus erwarten. Ein Blick auf die Zinsvolatilitäten im Verlauf des Jahres 2020 bestätigt diese Lesart. Nachdem das Jahr auf vergleichsweise niedrigen Niveaus startete, kam es im Zuge der Corona-Krise im Frühjahr zu einem unerwarteten Anstieg der Zinsvolatilitäten, sowohl für kurze als auch für lange Laufzeiten. Obgleich die mit der Pandemie einhergehenden, konjunkturellen Unwägbarkeiten zu diesem Zeitpunkt noch groß waren, blieb dieser Anstieg aber deutlich hinter den Entwicklungen während der Finanzkrise 2008/2009 oder der…

Deutsche Staatsfinanzen weiter sehr solide

Die Bundesregierung plant für 2021 eine deutlich höhere Neuverschuldung. Lag die Planungsgröße des Bundes für die Neuverschuldung im Oktober noch bei 96 Mrd. Euro, werden nunmehr bereits 180 Mrd. Euro fürs kommende Jahr angepeilt. Die Kritik an der Finanzpolitik der Bundesregierung wurde zuletzt daher immer lauter. Einige Kritiker befürchten sogar, dass die Staatsfinanzen aus dem Ruder laufen und nachfolgende Generationen belastet werden könnten.  Die Ergebnisse unserer Modellrechnungen zeigen allerdings: Kehrt Deutschland nach der Krise zur alten Politik der moderaten Primärüberschüsse zurück, ist mit einem deutlichen Rückgang der Schuldenstandsquote zu rechnen – bis 2027 könnte sogar das Schuldenstandsniveau von 2019 unterschritten werden. Ein wesentlicher Treiber für die Entwicklung sind die für Deutschland sehr günstigen Refinanzierungsbedingungen. Hierin unterscheiden sich die Rahmenbedingungen der aktuellen Krise deutlich von früheren – beispielsweise während der Finanz- oder der Staatsschuldenkrise. Auch bei moderat steigenden Marktrenditen würden Deutschlands Refinanzierungskosten erst einmal weiter sinken. Nur bei stark steigenden Marktrenditen…

Anleihemärkte 2020 – Die Bilanz

Das Jahr 2020 neigt sich mit sehr schnellen Schritten dem Ende zu. Es war ein äußerst turbulentes Jahr. Die Themen Corona-Krise, US-Wahlen und Brexit haben die Schlagzeilen beherrscht und im Verlauf des Jahres für ordentliche Turbulenzen gesorgt. So haben sich die Risikoaufschläge in den verschiedenen Anleihesegmenten in Folge der ersten Pandemiewelle im März und April 2020 extrem erhöht. Um die Marktturbulenzen wieder einzufangen hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik noch expansiver gestaltet und u.a. ein weiteres Anleihekaufprogramm initiiert. Diese Maßnahmen haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Das Vertrauen der Marktteilnehmer in die Notenbank, auch weiterhin alles in ihrer Macht Stehende zu unternehmen, um Marktverwerfungen zu bekämpfen oder zu verhindern, ist über die Monate hinweg derart stark gewachsen, dass die Risikoaufschläge mittlerweile wieder auf dem Niveau von vor der Pandemie notieren. Den Blick auf die Gewinnentwicklung in den einzelnen Anleihesegmenten gerichtet, zeigt sich, dass im laufenden Jahr in den individuellen Sektoren…

Der Wiederaufbaufonds ist kein „Gamechanger“

Nach zähem Ringen haben Polen und Ungarn ihren Widerstand gegen den EU-Wiederaufbaufonds aufgegeben. Stimmt auch noch das EU-Parlament zu, kann der Fonds voraussichtlich im Laufe des ersten Halbjahres 2021 und damit später als ursprünglich erhofft an den Start gehen. Vor allem Südeuropa fiebert den Milliardenzahlungen entgegen. Die Hoffnung ist groß, dass die Mittel nicht nur die wirtschaftlichen Corona-Schäden abmildern, sondern auch, dass nun finanzieller Spielraum auch für gestalterische Wirtschaftspolitik vorhanden ist. Zu Recht? Die EU-Gelder werden sicherlich punktuell helfen, ein „Gamechanger“ beim Kernproblem der wachsenden wirtschaftlichen Divergenz innerhalb der EU sind sie wahrscheinlich nicht. Dies macht ein Blick darauf deutlich, wohin die Mittel überwiegend fließen werden und wo die Probleme liegen. Um eine möglichst effiziente Mittelverwendung sicherzustellen, können die Staaten nicht beliebig über die Gelder verfügen, sie müssen Pläne hierzu bei der EU einreichen. Ein Großteil der Zuwendungen dürfte für Investitionen aufgewendet werden, beispielsweise in den Bereichen Verkehr, Gesundheit, Digitalisierung…

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