Zentralbanken / Rentenmärkte

Parlamentswahlen in den Niederlanden – Südeuropa behält seinen politischen Gegenspieler

Am 17. März finden in den Niederlanden allgemeine Parlamentswahlen statt. Pandemie-bedingt wird die Wahl anders als sonst üblich ablaufen müssen. Die Wahlurnen werden bereits am 15. März geöffnet, um größere Menschenansammlungen zu vermeiden. Ein Kernthema des bisherigen Wahlkampfs ist zunächst einmal – nicht sehr überraschend – die Bewältigung der Corona-Krise. Aber auch die Unterstützung und Förderung des niederländischen Mittelstands sowie von Kleinunternehmen und Start-Ups spielen im Wahlkampf eine wichtige Rolle. Ein Blick auf das aktuelle Umfragebild zeigt gute Chancen für Premier Rutte, die Wahl zu gewinnen. Die Demoskopen sprechen Ruttes liberalkonservativer VVD aktuell im Schnitt knapp 38 von 150 Sitzen im Parlament zu – Platz eins! Auf dem zweiten Platz liegt mit im Schnitt knapp 22 Sitzen die rechtspopulistische PVV unter der Parteiführung Geert Wilders. Der PVV-Parteivorsitzende ist ein starker Kritiker der Europäischen Union und der Währungsunion. Der Rest des sehr fragmentierten Parteienspektrums liegt etwas weiter abgeschlagen mit jeweils weniger…

Leitzinserhöhungserwartungen beflügeln die tschechische Krone

Die tschechische Krone lässt dieser Tage gegenüber dem Euro die Muskeln spielen und nimmt hierbei Kurs auf ihre Vor-Corona-Niveaus von Anfang März 2020. Rückenwind erfährt die kleine CE3-Währung derzeit nicht nur von dem freundlichen Marktsentiment gegenüber Schwellenländerwährungen. Vielmehr spielen ihr auch die jüngst besser als erwartet ausgefallenen vorläufigen tschechischen Wachstumszahlen für das Schlussquartal 2020 sowie besonders die dort aufgekommenen Leitzinserhöhungserwartungen in die Hände. Nahrung erhielten diese geldpolitischen Spekulationen u.a. durch Äußerungen des tschechischen Notenbankchefs Rusnok, welcher jüngst bis zu zwei Leitzinsanhebungen in diesem Jahr in Aussicht gestellt hat. Wenngleich die geldpolitische Freude der Krone angesichts der drastischen Lockerungen im vergangenen Jahr nur allzu verständlich ist, so warnen wir an dieser Stelle vor zu viel Euphorie und geben zu bedenken, dass die Krone womöglich noch einiges an Geduld wird aufbringen müssen, bevor die tschechischen Währungshüter (CNB) wirklich aktiv werden. Einen Hinweis hierauf gab zuletzt wieder einmal niemand geringeres als der dortige…

Niederländische Regierung tritt zurück – kein Grund zur Panik

Rund zwei Monate vor der Parlamentswahl am 17. März ist die niederländische Regierungsmannschaft geschlossen zurückgetreten. Der Hintergrund für den überraschenden Rücktritt liegt in einer Affäre um Kinderbeihilfen. Um vermeintlichen Betrug zu bekämpfen, hatten niederländische Steuerbehörden von etwa 2013 bis 2019 von Eltern jeweils Zehntausende Euro Kinderbeilhilfen zurückgefordert. Rund 20.000 Familien gerieten in den Niederlanden so in finanzielle Not. Eine Untersuchungskommission kam im Dezember letztendlich zu dem Urteil, dass diese Praxis Unrecht war und die „Basisprinzipien des Rechtsstaates“ verletzt wurden – ein herber Schlag für die niederländische Politik. Rutte und sein Team übernehmen zwar die politische Verantwortung für das Debakel, insgesamt kann der geschlossene Rücktritt aber eher als symbolischer Akt verstanden werden – kein Grund zur Panik. Sigrid Kaag, Ministerin für Außenhandel, sagte hierzu: „Das Vertrauen in den Staat muss wiederhergestellt werden.“ Der Regierungsrücktritt trifft die Niederlande mitten in der Corona-Krise: Die Neuinfektionszahlen liegen trotz der massiven Beschränkungen für die Bevölkerung…

Betreibt die polnische Notenbank „Window Dressing“?

Der polnische Zloty ist zuletzt ungeachtet des freundlichen Risikosentiments des Marktes auf breiter Front unter spürbaren Abgabedruck geraten. Ursächlich dafür waren in erster Linie Marktspekulationen, wonach die polnische Notenbank (NBP) nicht nur am 18. Dezember, sondern auch noch einmal am 29. Dezember am Devisenmarkt interveniert haben könnte, um den Zloty zu schwächen. Bereits der erste potenzielle Eingriff der NBP warf angesichts eines nach wie vor hohen nationalen Preisdrucks sowie eines alles andere als starken Zlotys Fragen auf. Marktseitig mehrten sich Spekulationen, wonach die NBP Ende 2020 womöglich ihren Notenbankgewinn, der ja größtenteils an den Staat ausgeschüttet wird, durch entsprechende Bewertungseffekte ihrer Fremdwährungsreserven gesteigert haben könnte. So wirkt sich doch eine Aufwertung des Zloty dahingehend negativ auf das Finanzergebnis der NBP aus, als dass sie den Wert ihrer Fremdwährungsreserven in Zloty verringert. Angesichts des sich auch in Polen Corona-bedingt deutlich ausweitenden Haushaltsdefizits erscheinen solche Überlegungen nicht allzu abwegig. Sollten sich die…

Yield Curve Control‘ à la EZB

Implizite Zinsvolatilitäten haben eine bestimmte Signalwirkung am Rentenmarkt. Vordergründig können die Händler von Zinsoptionen mit dieser Stellschraube die Prämie für Zinsabsicherungen, kündbare Termingelder oder kündbare Zinsstrukturen bestimmen. Im Kern verbergen sich dahinter aber weniger komplexe Formeln als vielmehr Erwartungen über die Schwankungsanfälligkeit des betreffenden Zinses. Man kann also an der Entwicklung der impliziten Zinsvolatilität ablesen, mit welcher Wahrscheinlichkeit die Marktteilnehmer auf kurze, mittlere oder lange Sicht (abhängig von der Laufzeit der dazugehörigen Option) eine nachhaltige Änderung des Zinsniveaus erwarten. Ein Blick auf die Zinsvolatilitäten im Verlauf des Jahres 2020 bestätigt diese Lesart. Nachdem das Jahr auf vergleichsweise niedrigen Niveaus startete, kam es im Zuge der Corona-Krise im Frühjahr zu einem unerwarteten Anstieg der Zinsvolatilitäten, sowohl für kurze als auch für lange Laufzeiten. Obgleich die mit der Pandemie einhergehenden, konjunkturellen Unwägbarkeiten zu diesem Zeitpunkt noch groß waren, blieb dieser Anstieg aber deutlich hinter den Entwicklungen während der Finanzkrise 2008/2009 oder der…

Deutsche Staatsfinanzen weiter sehr solide

Die Bundesregierung plant für 2021 eine deutlich höhere Neuverschuldung. Lag die Planungsgröße des Bundes für die Neuverschuldung im Oktober noch bei 96 Mrd. Euro, werden nunmehr bereits 180 Mrd. Euro fürs kommende Jahr angepeilt. Die Kritik an der Finanzpolitik der Bundesregierung wurde zuletzt daher immer lauter. Einige Kritiker befürchten sogar, dass die Staatsfinanzen aus dem Ruder laufen und nachfolgende Generationen belastet werden könnten.  Die Ergebnisse unserer Modellrechnungen zeigen allerdings: Kehrt Deutschland nach der Krise zur alten Politik der moderaten Primärüberschüsse zurück, ist mit einem deutlichen Rückgang der Schuldenstandsquote zu rechnen – bis 2027 könnte sogar das Schuldenstandsniveau von 2019 unterschritten werden. Ein wesentlicher Treiber für die Entwicklung sind die für Deutschland sehr günstigen Refinanzierungsbedingungen. Hierin unterscheiden sich die Rahmenbedingungen der aktuellen Krise deutlich von früheren – beispielsweise während der Finanz- oder der Staatsschuldenkrise. Auch bei moderat steigenden Marktrenditen würden Deutschlands Refinanzierungskosten erst einmal weiter sinken. Nur bei stark steigenden Marktrenditen…

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