Regulierung / Banken

Neues Pfandbriefgesetz führt Soft Bullet rückwirkend ein

Der Bundestag hat der Pfandbriefgesetznovelle am Donnerstag, 15. April 2021, zugestimmt. Die letzte parlamentarische Hürde ist damit genommen. Die wohl wichtigste Änderung ist die Einführung einer möglichen Fälligkeitsverschiebung (Soft Bullet) für Pfandbriefe, die bereits am 1. Juli 2021 auch rückwirkend für alle bereits ausstehenden Pfandbriefe in Kraft tritt. Der Sachwalter (als Verwalter der Deckungsmasse nach Insolvenz der Pfandbriefbank) wird künftig die Möglichkeit haben, im Bedarfsfall die Laufzeit der Pfandbriefe um bis zu zwölf Monate zu verlängern. Damit wird die Liquidität der Deckungsmasse besser abgesichert, was von den Ratingagenturen bereits unisono positiv vermerkt wurde. Diese Regelung ergänzt den Instrumentenkasten des Sachwalters, dem daneben zum Beispiel auch die Aufnahme von Brückenkrediten, der Verkauf von Deckungswerten oder die Ausgabe neuer Pfandbriefe zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen erlaubt sind. Das in der Richtlinie geforderte Überholverbot, nachdem die Tilgungsreihenfolge der ausstehenden Pfandbriefe nicht durch eine Fälligkeitsverschiebung verändert werden darf, hatte einiges Kopfzerbrechen bereitet und wurde im…

Gespaltene Entwicklung der Märkte für Bankkredite in Deutschland

2020 wurde das Firmenkundenkreditgeschäft in Deutschland maßgeblich von den Auswirkungen der Corona-Krise geprägt. Vor allem Unternehmen, die unter Lockdown und Grenzschließungen zu leiden hatten, waren auf Hilfskredite angewiesen. Dadurch zog das Wachstum der Firmenkredite ohne Wohnungsbau im ersten Quartal nochmals an, obwohl die Wachstumsraten des Marktes bereits 2019 ihren Zenit überschritten hatten und im Sinken begriffen waren. Der corona-bedingte Wachstumsschub blieb jedoch ein Einmaleffekt und in den restlichen Quartalen 2020 verlangsamte sich der Bestandszuwachs immer weiter auf zuletzt noch 3,4 Prozent. Deutlich stabiler entwickelten sich die Wohnungsbaukredite der Unternehmen. Überhaupt zeigten sich Wohnungskredite als Stütze des Gesamtmarktes. Das gilt vor allem für die Immobilienkredite privater Haushalte, die ihren langanhaltenden Trend der Wachstumsbeschleunigung ungebremst fortsetzten. Die Corona-Krise hat die Wertschätzung für die eigenen vier Wände gesteigert. Durch Lockdown, erschwertes Reisen und Home Office wurde mehr Zeit zuhause verbracht und der Bedarf an Wohnfläche, einem Arbeitszimmer und Garten stieg. Das hat den…

Gütesiegel für energieeffiziente Hypothekendarlehen geht an den Start

Im Bankenmarkt hält in Kürze mit dem „Energy Efficient Mortgage Label“ (EEML) ein neues Gütesiegel Einzug, das Banken für ihre ausgereichten Hypothekendarlehen zur Finanzierung von energieeffizienten Immobilien erhalten können. Das maßgeblich vom Europäischen Hypothekenverband/ European Covered Bond Council (EMF-ECBC) initiierte Label wird am 12. Februar im Rahmen einer virtuellen Veranstaltung offiziell vorgestellt. Das EEML ist als privatwirtschaftliches Gütesiegel für Verbraucher, Kreditgeber und Investoren gedacht, um energieeffiziente Hypotheken in den Portfolios der Kreditinstitute identifizieren zu können. Zudem sollen dadurch auch die „grünen“ Projekte auf EU-Ebene (zum Beispiel EU Green Deal) unterstützt werden. Banken können für ihre Kreditprogramme, die die von der Energy Efficient Mortgage Initiative definierten Anforderungen an energieeffiziente Hypothekendarlehen erfüllen (siehe Grafik), im Rahmen eines Selbstzertifizierungsprozesses das EEML beantragen. Mit Erhalt des Gütesiegels müssen die Institute mindestens quartalsweise über wesentliche Merkmale ihres EEM-Portfolios unter Verwendung eines standardisierten Berichtsformats (Harmonised Disclosure Template, HDT) berichten. Das HDT soll zu einem weltweiten Berichtsstandard für…

EZB bleibt auf Kurs

Die europäischen Währungshüter stimmen darin überein, dass nach wie vor ein umfangreicher geldpolitischer Stimulus geboten sei. Dies geht aus dem Protokoll der EZB-Ratssitzung vom 9./10. September hervor. Zwar deuten die jüngsten Konjunkturdaten, im Einklang mit den EZB-Projektionen, auf eine kräftige Erholung der wirtschaftlichen Aktivität hin, doch bestehen zugleich erhebliche Abwärtsrisiken. In diesem Zusammenhang wird auf die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie und den zunehmend wahrscheinlichen No-Deal Brexit verwiesen. Die EZB werde daher zunächst eine abwartende Haltung einnehmen und die weiteren Wirtschaftsdaten sehr sorgfältig analysieren. Zugleich heben die Notenbank-Oberen aber ihre grundsätzliche Handlungsbereitschaft hervor, sollte dies mit Blick auf den zukünftigen Inflationspfad notwendig werden. In diesem Zusammenhang habe man unter anderem auch die weitere Entwicklung des Euro-Außenwerts im Blick. Man sei grundsätzlich bereit, alle zur Verfügung stehenden geldpolitischen Instrumente zu adjustieren. Im Zuge der Beratungen wurde nochmals besonders hervorgehoben, dass man davon ausgehe den PEPP-Verfügungsrahmen (1.350 Mrd. Euro) gänzlich…

Notenbanken in Emerging Markets machen sich Gedanken

Während es bei der Geldpolitik in den Industrieländern im Wesentlichen nur darum geht, wer seine Zinsen länger bei null, oder tiefer hält, ist die Welt der Emerging Markets deutlich vielfältiger. Zum einen sind hier die Zinsen meist noch erkennbar oberhalb der Nulllinie, und zum anderen hat zuletzt mit der türkischen Notenbank sogar ein Währungshüter die Zinsen angehoben. Im Falle der Türkei war dies wohl auch überfällig, drohte hier doch der Preisauftrieb deutlich davonzulaufen. Bei Inflationsraten von hartnäckig über 10% (J/J) und zuletzt 11,8%, ließ sich der Leitzins von 8,25% nicht durchhalten und selbst die jüngste Anhebung auf 10,25% sollte nicht ausreichen, den Preisauftrieb in die Nähe der Zielmarke von 5,0% zu drücken. Hierfür sind noch stärkere Geschütze notwendig. Im Universum unserer Währungsanalysen ragt die Türkei mit einer massiven Verfehlung ihres Inflationsziels zwar klar heraus, deutliche Währungsverluste, die zu einem beschleunigten Preisauftrieb führen könnten, sind aber keine Seltenheit. Entsprechend lohnt ein…

Neue Zielgrößen der Fed

Die gestrige Rede des Fed-Vorsitzenden Powell wurde mit Spannung erwartet, da er Anhaltspunkte über die längerfristige strategische Ausrichtung der US-Geldpolitik gegeben hat. Marktseitig wurde davon ausgegangen, dass die Fed eine Überschreitung des Inflationsziels ausdrücklich zulassen wird. Inflationsziel wurde in der Vergangenheit verfehlt Diese Erwartungen hat Powell voll erfüllt. Die Fed wird sich nicht mehr am Erreichen einer konkreten Inflationsrate orientieren, sondern an einer durchschnittlichen Inflationsrate von 2% im Zeitverlauf. Der Hintergrund dieser Anpassung ist, dass das Erreichen dieses Ziels schon in den zurückliegenden Jahren Probleme bereitet hat und die Inflation niedriger lag. Im Rahmen der schon im November 2018 begonnenen strategischen Überprüfung ihrer Geldpolitik hat die Fed diese Thematik untersucht und als Ergebnis nun ihr Zielsystem angepasst. Durchschnittliche Inflation – aber kein genauer Zeitpunkt Powell hat auf dem Notenbank-Symposium in Jackson Hole angekündigt, dass die Fed eine, wie er es nannte, „flexible Form des durchschnittlichen Inflationsziels“ einführen wird. Da Powell…

1 2 19