Politik

Griechenland: Ein fast normaler Emittent

Griechenland ist ein regelrechtes Husarenstück gelungen. Inmitten der Pandemie hat das hellenische Schatzamt erstmals seit 2008 und damit seit der Finanzkrise mit großem Erfolg eine syndizierte Anleihe mit 30 Jahren Laufzeit und einem Kupon von 1,875% sowie einer Rendite von knapp 2% begeben. Die Gebote für den 2052 fälligen Bond summierten sich auf über 26 Mrd. Euro. Die Emissionsgröße wurde bei 2,5 Mrd. Euro festgelegt, was eher am oberen Ende der Erwartungen lag. Rund neun Jahre nach dem Zahlungsausfall ist Griechenland damit praktisch in den Kreis der etablierten staatlichen Emittenten zurückgekehrt. Unterschiede zu der Zeit vor der Krise und zu großen Emittenten wie Deutschland bestehen allerdings noch darin, dass Griechenland Anleihen weiterhin nur unregelmäßig per Syndizierung und in Abhängigkeit der Marktgegebenheit begibt. Regelmäßige Anleiheauktionen sind auf absehbare Zeit nicht zu erwarten – auch weil Griechenland durch den hohen Anteil an Hilfskrediten an den Gesamtstaatsschulden einen im Vergleich zu anderen EWU-Ländern…

Niederländische Parlamentswahl – Europa behält seinen Frugalisten

Der amtierende Premier Mark Rutte von der liberalkonservativen VVD hat die gestrige Parlamentswahl klar gewonnen. Nach Auszählung von knapp 80% der Stimmzettel erhält seine Partei 36 von 150 Sitzen in der Tweede Kamer – ein Zugewinn von drei Sitzen und das stärkste Ergebnis für die VVD seit 2012. Rutte konnte vor allem vom „Exekutivbonus“ der Corona-Krise profitieren, der in vielen Ländern seit Pandemieausbruch beobachtet werden konnte. Die Überraschung des Wahlabends war allerdings das gute Abschneiden des bisherigen Koalitionspartners, der sozialliberalen D66, die mit 24 Sitzen auf dem zweiten Platz folgen und den größten Zugewinn aller Parteien vorzeigen können. Der Zugewinn basiert nicht nur auf der Beliebtheit der Parteivorsitzenden, sondern auch darauf, dass die Partei im Wahlkampf strategisch in der Lage war, Themenfelder links und rechts der politischen Mitte zu besetzen. Zu den Verlierern des Wahlabends zählen unter anderem der Rechtspopulist Geert Wilders, der nicht nur den zweiten Platz im Parlament,…

Die Langzeitrisiken des EU-Wiederaufbaufonds

Als sich die Staats- und Regierungschefs nach langwierigen Verhandlungen auf einen EU-Wiederaufbaufonds (NGEU) einigen konnten, war die Erleichterung groß. Um Haaresbreite konnte die Gemeinschaft ein Scheitern der Gespräche abwenden und blieb inmitten der Krise handlungsfähig. In die Begeisterung darüber, dass die EU ihrem Anspruch einer Solidargemeinschaft gerecht wurde, mischen sich inzwischen zunehmend auch kritische Stimmen. Eine besondere Brisanz birgt ein Bericht des Bundesrechnungshofes, der keiner Weisung des Bundesfinanzministeriums unterliegt und den Anspruch hat, unabhängig zu sein. Die kritischen und mahnenden Worte des Rechnungshofes hätten kaum stärker ausfallen können. Konkret geben die Finanzwächter zu bedenken, dass sich in Krisenzeiten eingeführte Instrumente „aller Erfahrung nach verstetigen“. Hierzu passt, dass die Stimmen aus Südeuropa, aber auch innerhalb der deutschen Politik, die sich für eine EU-Fiskalunion aussprechen, zuletzt hörbar lauter wurden. Befürchtungen äußert der Rechnungshof auch dahingehend, dass die Schulden der Europäischen Union, für die alle Staaten gemeinschaftlich haften, nicht bei den Schuldenständen angerechnet…

EZB stellt Beschleunigung der Anleihekäufe in Aussicht

Die Währungshüter haben in Aussicht gestellt, die Anleihekäufe im Rahmen des Emergency Purchase Programme (PEPP) im kommenden Quartal deutlich zu erhöhen. Damit will die Notenbank weiterhin günstige Finanzierungsbedingungen sicherstellen. EZB-Präsidentin Lagarde hat sich allerdings hinsichtlich des angepeilten Ankaufvolumens bedeckt gehalten. Gegenwärtig bewegen sich die wöchentlichen Wertpapierkäufe im Bereich um 18 Mrd. Euro und damit deutlich unterhalb des bisherigen Maximums von 34,2 Mrd. Euro. Die Notenbankchefin hat hervorgehoben, dass der PEPP-Rahmen von gegenwärtig 1.850 Mrd. Euro nicht zwingend ausgeschöpft werden muss. Um günstige Finanzierungsbedingungen aufrecht zu erhalten, sei aber umgekehrt aber auch eine Erhöhung des Ankaufrahmens grundsätzlich vorstellbar. Im Hinblick auf die übrigen geldpolitischen Instrumente (APP / Leitzinsen) haben die Notenbank-Oberen im Zuge dieser Ratssitzung keine Anpassungen vorgenommen. Die EZB wird aber nicht müde zu betonen, dass nach wie vor das komplette geldpolitische Instrumentarium zum Einsatz kommen kann, sollte dies notwendig werden. In einer ersten Reaktion hat der Bund-Future merklichen Auftrieb…

US-Konjunkturpaket: Klotzen statt kleckern

Die Demokraten im US-Kongress haben in den letzten Tagen eifrig ein riesiges Konjunkturpaket geschnürt. Der Umfang der Konjunkturmaßnahmen von 1,9 Billionen US-Dollar entspricht etwa neun Prozent der Wirtschaftsleistung vom vergangenen Jahr. Joe Biden kann – als Initiator des Pakets – mit dem Ergebnis zufrieden sein, er wird wohl am morgigen Freitag, den 12. März, seine Zustimmung geben. Das Konjunkturpaket dürfte der US-Wirtschaft in den kommenden Monaten einen kräftigen Schub geben. Vor allem die Direktzahlungen an die Haushalte haben sich in den vorherigen Runden als ein effektives Mittel erwiesen, um die Wirtschaft schnell zu stimulieren. Noch im März könnten die ersten 1.400 US-Dollar Konsumschecks aus dem aktuellen Konjunkturpaket an die Haushalte versendet werden, so Biden. Daher ist vor allem im zweiten Quartal 2021 mit einem „Konsumboom“ zu rechnen. Gestützt wird dieser zusätzlich durch den relativ guten Fortschritt bei den Corona-Impfungen. Insgesamt rechnen wir für die USA im laufenden Jahr mit einer…

China: Wachstumsziel von gut sechs Prozent ist für das laufende Jahr nicht ambitioniert

China kehrt dieser Tage zu einem althergebrachten Ritual zurück: Die Jahrestagung des Nationalen Volkskongresses wird mit dem Wirtschaftsausblick des Premierministers eröffnet, der die ökonomischen Ziele für das laufende Jahr verkündet, darunter auch das politisch heikle Wachstumsziel. Wer gedacht hatte, mit der krisenbedingten Aussetzung der Zielvorgabe im vergangenen Corona-Jahr würde sich die chinesische Führung von dieser durchaus umstrittenen Praxis endgültig verabschieden, wurde spätestens jetzt eines Besseren belehrt. Die chinesische Wirtschaft soll also in diesem Jahr um „mehr als sechs Prozent“ wachsen – das entspricht etwa der Zielvorgabe, die auch schon für 2019 galt und geradeso eingehalten wurde. Nun dürfte diese Rate in diesem Jahr vergleichsweise leicht zu erreichen sein. Nach dem tiefen Einbruch der Wirtschaftsleistung durch den Corona-Lockdown zum Auftakt des vergangenen Jahres wird das jährliche Wirtschaftswachstum im laufenden ersten Quartal von außergewöhnlich hohen statistischen Basiseffekten profitieren und wahrscheinlich deutlich zweistellig ausfallen. Außerdem konnte sich in der Volksrepublik im Laufe des…

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