Geldpolitik

Leidet die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken unter Corona?

Seit Ausbruch der Gesundheitskrise sind massive Interventionen der Notenbanken und Staaten zu beobachten. Die Regierungen der westlichen Industrieländer setzen auf gigantische Konjunkturpakete. In der Folge sind die staatlichen Defizite stark angestiegen und die Verschuldung in vielen Ländern ist auf historische Niveaus geklettert. Im gleichen Zuge weiten die Zentralbanken ihre Bilanzen erneut kräftig aus, indem sie die Staatsanleihen kaufen, die die Regierungen derzeit zur Bekämpfung der Gesundheitskrise begeben müssen. Die aktuelle Symbiose von Fiskalpolitik und Geldpolitik wird von einigen Marktteilnehmern kritisch beäugt. Am Kapitalmarkt kommen Sorgen auf, ob die Zentralbanken nicht zwangsverpflichtet werden, die Anleihekäufe zeitlich länger aufrechtzuerhalten als nötig. Hinter dieser Überlegung steht, dass die Währungshüter die Finanzierungskosten für die Regierungen längerfristig niedrig halten, damit der starke Schuldenanstieg über niedrige Renditen finanzierbar bleibt. In diesem Fall würde die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken leiden. Die Glaubwürdigkeit einer Zentralbank wird unseres Erachtens von drei Fragen beeinflusst. Können die Notenbanken mit der extrem expansiven…

Inflationserwartungen treiben die Bundrenditen

In den zurückliegenden Tagen haben die zehnjährigen Bundrenditen erhebliche Aufwärtsdynamik entwickelt. So stiegen die Zehnjahresrenditen von einem Tief bei minus 0,60% Anfang des Jahres auf derzeit rund minus 0,36%. Die Bundkurve ist mit den höheren Renditen deutlich steiler geworden. Zwar können eine Vielzahl von Gründen für diese Bewegung verantwortlich gemacht werden. Hierzu zählen zum einen die Hoffnungen auf eine konjunkturelle Erholung, sollte sich der Impffortschritt beschleunigen und die sozialen Kontaktbeschränkungen aufgehoben werden. Zum anderen scheint generell die Risikobereitschaft an den Märkten hoch zu sein, was sich auch in steigenden Aktienmarktkursen oder niedrigen Bundspreads der EWU-Länder widerspiegelt. Das heißeste Thema, das momentan am Rentenmarkt diskutiert wird, ist jedoch der erwartete Inflationsanstieg. Tatsächlich dürften die Inflationsraten in der Eurozone in den kommenden Monaten in die Höhe klettern und sogar wieder die Zielmarke der EZB von 2% erreichen. Entsprechend dieser Erwartung kam es zu einem recht kräftigen Anstieg der Inflationserwartungen. Höhere Inflationsraten dürften…

Fed: Zielerreichung noch lange nicht in Sicht

Wie allgemein erwartet, hat die Fed auf der jüngsten Sitzung des geldpolitischen Ausschusses keine Anpassungen vorgenommen. Das Statement wurde lediglich marginal angepasst. So wird die Fed die geldpolitischen Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur beibehalten. Die Erholung hänge maßgeblich davon ab, wie schnell die Virus-Ausbreitung unter Kontrolle gebracht werden kann. Die Impfstoff-Kampagnen seien eine wichtige Voraussetzung für eine Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen. In den letzten Monaten habe sich jedoch das Tempo der Konjunkturerholung abgeschwächt. Die Entscheidung der FOMC-Mitglieder wurde einstimmig gefällt. Im Vorfeld der Pressekonferenz hatten sich die Marktteilnehmer eine eindeutige Stellungnahme zu den Anleihekäufen sowie zu dem möglichen Inflationsdruck und den steigenden Inflationserwartungen erhofft. Der Fed-Vorsitzende gab klar zu Protokoll, die Geldpolitik bleibe solange expansiv, bis die Beschäftigungs- und Inflationsziele erreicht würden. Von einer Zielerreichung sei die Geldpolitik weit entfernt, so Powell. Er fügte hinzu, dass die Inflation trotz steigender Preise in den kommenden Monaten nicht das Ziel der Fed…