Geldpolitik

Grüne Geldpolitik: EZB zwischen gebotenem Engagement und drohender Überforderung

Der Klimawandel stellt eine erhebliche Bedrohung für die Wirtschaft und die Menschheit im Allgemeinen dar. Im Zuge einer Überprüfung der geldpolitischen Strategie beraten die europäischen Notenbankvertreter gegenwärtig, wie sich die EZB im Rahmen ihres Mandats im Kampf gegen den Klimawandel stärker engagieren kann. Marktseitig gibt es bereits erste Stimmen, welche die Bestrebungen der Notenbank in Richtung einer grüneren Geldpolitik kritisieren. Hierbei steht unter anderem die Frage im Raum, inwieweit dieses Engagement vom eigentlichen EZB-Mandat zur „Wahrung der Preisstabilität“ gedeckt ist. Die Notenbank-Oberen verweisen in diesem Zusammenhang darauf, dass Klimaveränderungen sich unmittelbar auf die Inflationsentwicklung auswirken können. Naturkatastrophen in Folge einer Erwärmung der Atmosphäre könnten zu Missernten führen und steigende Nahrungsmittelpreise nach sich ziehen oder extreme Wetterereignisse Vermögensschäden hervorrufen und sich Verbraucher daher mit ihrem Konsum zurückhalten. Vor diesem Hintergrund könnte es geboten erscheinen, dass die Notenbank die mit dem Klimawandel einhergehenden Risiken für die Preisstabilität genau im Blick behält und…

EZB stellt Beschleunigung der Anleihekäufe in Aussicht

Die Währungshüter haben in Aussicht gestellt, die Anleihekäufe im Rahmen des Emergency Purchase Programme (PEPP) im kommenden Quartal deutlich zu erhöhen. Damit will die Notenbank weiterhin günstige Finanzierungsbedingungen sicherstellen. EZB-Präsidentin Lagarde hat sich allerdings hinsichtlich des angepeilten Ankaufvolumens bedeckt gehalten. Gegenwärtig bewegen sich die wöchentlichen Wertpapierkäufe im Bereich um 18 Mrd. Euro und damit deutlich unterhalb des bisherigen Maximums von 34,2 Mrd. Euro. Die Notenbankchefin hat hervorgehoben, dass der PEPP-Rahmen von gegenwärtig 1.850 Mrd. Euro nicht zwingend ausgeschöpft werden muss. Um günstige Finanzierungsbedingungen aufrecht zu erhalten, sei aber umgekehrt aber auch eine Erhöhung des Ankaufrahmens grundsätzlich vorstellbar. Im Hinblick auf die übrigen geldpolitischen Instrumente (APP / Leitzinsen) haben die Notenbank-Oberen im Zuge dieser Ratssitzung keine Anpassungen vorgenommen. Die EZB wird aber nicht müde zu betonen, dass nach wie vor das komplette geldpolitische Instrumentarium zum Einsatz kommen kann, sollte dies notwendig werden. In einer ersten Reaktion hat der Bund-Future merklichen Auftrieb…

EZB bekämpft Renditeanstieg

In den zurückliegenden Wochen sind die zehnjährigen Renditen dies und jenseits des Atlantiks synchron und teils deutlich angestiegen. In den USA haben die US-Währungshüter erklärt, dass sie sich dem jüngst gesehenen Anstieg der US-Renditen nicht in den Weg stellen werden. So sehen die Fed-Oberen die Renditeentwicklung als „Vertrauensbeweis“ in den Konjunkturaufschwung.  Im weiteren Verlauf des Jahres dürfte sich der wirtschaftliche Aufschwung kräftig beschleunigen. In diesem Zuge wird der Preisdruck zumindest temporär zunehmen. In Anbetracht dieser Perspektiven – robuste Konjunktur und steigende Inflationsraten – ist auch ein moderater Anstieg der Renditen gerechtfertigt und für die Wirtschaft zu verkraften. Zusätzliche Maßnahmen zur Eindämmung der steigenden Renditen wird die US-Notenbank wohl nicht ergreifen. Aufgrund des schnellen Impffortschritts und der umfangreichen geld- sowie fiskalpolitischen Hilfen könnte der Druck auf die US-Renditen kurzfristig hoch bleiben. Hier besteht die Gefahr, dass die zehnjährigen Bundrenditen mitgezogen werden. Eine große Errungenschaft der Europäischen Zentralbank seit der Eurokrise war…

Leidet die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken unter Corona?

Seit Ausbruch der Gesundheitskrise sind massive Interventionen der Notenbanken und Staaten zu beobachten. Die Regierungen der westlichen Industrieländer setzen auf gigantische Konjunkturpakete. In der Folge sind die staatlichen Defizite stark angestiegen und die Verschuldung in vielen Ländern ist auf historische Niveaus geklettert. Im gleichen Zuge weiten die Zentralbanken ihre Bilanzen erneut kräftig aus, indem sie die Staatsanleihen kaufen, die die Regierungen derzeit zur Bekämpfung der Gesundheitskrise begeben müssen. Die aktuelle Symbiose von Fiskalpolitik und Geldpolitik wird von einigen Marktteilnehmern kritisch beäugt. Am Kapitalmarkt kommen Sorgen auf, ob die Zentralbanken nicht zwangsverpflichtet werden, die Anleihekäufe zeitlich länger aufrechtzuerhalten als nötig. Hinter dieser Überlegung steht, dass die Währungshüter die Finanzierungskosten für die Regierungen längerfristig niedrig halten, damit der starke Schuldenanstieg über niedrige Renditen finanzierbar bleibt. In diesem Fall würde die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken leiden. Die Glaubwürdigkeit einer Zentralbank wird unseres Erachtens von drei Fragen beeinflusst. Können die Notenbanken mit der extrem expansiven…

Inflationserwartungen treiben die Bundrenditen

In den zurückliegenden Tagen haben die zehnjährigen Bundrenditen erhebliche Aufwärtsdynamik entwickelt. So stiegen die Zehnjahresrenditen von einem Tief bei minus 0,60% Anfang des Jahres auf derzeit rund minus 0,36%. Die Bundkurve ist mit den höheren Renditen deutlich steiler geworden. Zwar können eine Vielzahl von Gründen für diese Bewegung verantwortlich gemacht werden. Hierzu zählen zum einen die Hoffnungen auf eine konjunkturelle Erholung, sollte sich der Impffortschritt beschleunigen und die sozialen Kontaktbeschränkungen aufgehoben werden. Zum anderen scheint generell die Risikobereitschaft an den Märkten hoch zu sein, was sich auch in steigenden Aktienmarktkursen oder niedrigen Bundspreads der EWU-Länder widerspiegelt. Das heißeste Thema, das momentan am Rentenmarkt diskutiert wird, ist jedoch der erwartete Inflationsanstieg. Tatsächlich dürften die Inflationsraten in der Eurozone in den kommenden Monaten in die Höhe klettern und sogar wieder die Zielmarke der EZB von 2% erreichen. Entsprechend dieser Erwartung kam es zu einem recht kräftigen Anstieg der Inflationserwartungen. Höhere Inflationsraten dürften…

Fed: Zielerreichung noch lange nicht in Sicht

Wie allgemein erwartet, hat die Fed auf der jüngsten Sitzung des geldpolitischen Ausschusses keine Anpassungen vorgenommen. Das Statement wurde lediglich marginal angepasst. So wird die Fed die geldpolitischen Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur beibehalten. Die Erholung hänge maßgeblich davon ab, wie schnell die Virus-Ausbreitung unter Kontrolle gebracht werden kann. Die Impfstoff-Kampagnen seien eine wichtige Voraussetzung für eine Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen. In den letzten Monaten habe sich jedoch das Tempo der Konjunkturerholung abgeschwächt. Die Entscheidung der FOMC-Mitglieder wurde einstimmig gefällt. Im Vorfeld der Pressekonferenz hatten sich die Marktteilnehmer eine eindeutige Stellungnahme zu den Anleihekäufen sowie zu dem möglichen Inflationsdruck und den steigenden Inflationserwartungen erhofft. Der Fed-Vorsitzende gab klar zu Protokoll, die Geldpolitik bleibe solange expansiv, bis die Beschäftigungs- und Inflationsziele erreicht würden. Von einer Zielerreichung sei die Geldpolitik weit entfernt, so Powell. Er fügte hinzu, dass die Inflation trotz steigender Preise in den kommenden Monaten nicht das Ziel der Fed…