EZB

Ist Maastricht noch zeitgemäß?

Sowohl die EU als auch alle Mitgliedsstaaten unternehmen mit Unterstützung der EZB seit mehr als einem Jahr bereits historisch große fiskalische Anstrengungen, um die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Corona-Krise abzumildern. Ökonomisch gesehen, handelt es sich hierbei um eine antizyklische Wirtschaftspolitik im besten keynesianischen Sinne. Es mag in Anbetracht neuer Rekordschulden und ausgesetzter Defizitregeln überraschen, dass ausgerechnet die Kritiker der Maastricht-Kriterien nun eine öffentliche Grundsatzdiskussion über eine Reform dieser Kriterien anstoßen. Der Grund ist darin zu sehen, dass mit der inzwischen an Dynamik gewinnenden Impfkampagne die Frage an Bedeutung gewinnt, welchen Weg die Finanzpolitik nach der Krise einschlagen sollte: Rückkehr zu einer konsequenten Sparpolitik mit dem Ziel, den angehäuften Schuldenberg zumindest ein Stück weit wieder abzutragen oder an einer expansiven Gangart festhalten, um dem Aufschwung Rückenwind zu verleihen? Die EU-Fiskalregeln, wenngleich sie in der Vergangenheit gerne lax ausgelegt und Verstöße in der Regel nicht sanktioniert wurden, geben hierauf eine klare…

Grüne Geldpolitik: EZB zwischen gebotenem Engagement und drohender Überforderung

Der Klimawandel stellt eine erhebliche Bedrohung für die Wirtschaft und die Menschheit im Allgemeinen dar. Im Zuge einer Überprüfung der geldpolitischen Strategie beraten die europäischen Notenbankvertreter gegenwärtig, wie sich die EZB im Rahmen ihres Mandats im Kampf gegen den Klimawandel stärker engagieren kann. Marktseitig gibt es bereits erste Stimmen, welche die Bestrebungen der Notenbank in Richtung einer grüneren Geldpolitik kritisieren. Hierbei steht unter anderem die Frage im Raum, inwieweit dieses Engagement vom eigentlichen EZB-Mandat zur „Wahrung der Preisstabilität“ gedeckt ist. Die Notenbank-Oberen verweisen in diesem Zusammenhang darauf, dass Klimaveränderungen sich unmittelbar auf die Inflationsentwicklung auswirken können. Naturkatastrophen in Folge einer Erwärmung der Atmosphäre könnten zu Missernten führen und steigende Nahrungsmittelpreise nach sich ziehen oder extreme Wetterereignisse Vermögensschäden hervorrufen und sich Verbraucher daher mit ihrem Konsum zurückhalten. Vor diesem Hintergrund könnte es geboten erscheinen, dass die Notenbank die mit dem Klimawandel einhergehenden Risiken für die Preisstabilität genau im Blick behält und…

Digitalisierung von Geld – (Zentral-) Banken in der Pflicht

Die Diskussion um digitale Zentralbankwährungen (CBDC) hat in den vergangenen Jahren deutlich an Dynamik gewonnen. Weltweit haben Notenbanken Projekte mit dem Ziel aufgelegt, die Einsatzmöglichkeiten und Merkmale einer eigenen CBDC zu erforschen. Im vergangenen Herbst hat die CBDC-Debatte auch im Euroraum Fahrt aufgenommen. So veröffentlichte die Europäische Zentralbank im Oktober 2020 ihren Bericht zum „digitalen Euro“. Eine endgültige Entscheidung, ob das Projekt tatsächlich in Angriff genommen wird, will der EZB-Rat zwar offiziell erst Mitte dieses Jahres treffen. Jüngste Äußerungen von EZB-Vertretern lassen jedoch darauf schließen, dass die Weichen zugunsten eines digitalen Euro bereits gestellt sind. Ungeklärt ist zwar, welche Ziele mit einer CBDC im Euroraum verfolgt werden und über welche Eigenschaften sie verfügen soll. Dies hält zahlreiche Beobachter aber nicht davon ab, umfassende Kritik zu äußern. Einerseits werde das Vorhaben zu spät und nicht ambitioniert angegangen, andererseits werden der EZB weitreichende Eingriffe in die Rechte der Bürger vorgeworfen. Vernachlässigt wird…

EZB stellt Beschleunigung der Anleihekäufe in Aussicht

Die Währungshüter haben in Aussicht gestellt, die Anleihekäufe im Rahmen des Emergency Purchase Programme (PEPP) im kommenden Quartal deutlich zu erhöhen. Damit will die Notenbank weiterhin günstige Finanzierungsbedingungen sicherstellen. EZB-Präsidentin Lagarde hat sich allerdings hinsichtlich des angepeilten Ankaufvolumens bedeckt gehalten. Gegenwärtig bewegen sich die wöchentlichen Wertpapierkäufe im Bereich um 18 Mrd. Euro und damit deutlich unterhalb des bisherigen Maximums von 34,2 Mrd. Euro. Die Notenbankchefin hat hervorgehoben, dass der PEPP-Rahmen von gegenwärtig 1.850 Mrd. Euro nicht zwingend ausgeschöpft werden muss. Um günstige Finanzierungsbedingungen aufrecht zu erhalten, sei aber umgekehrt aber auch eine Erhöhung des Ankaufrahmens grundsätzlich vorstellbar. Im Hinblick auf die übrigen geldpolitischen Instrumente (APP / Leitzinsen) haben die Notenbank-Oberen im Zuge dieser Ratssitzung keine Anpassungen vorgenommen. Die EZB wird aber nicht müde zu betonen, dass nach wie vor das komplette geldpolitische Instrumentarium zum Einsatz kommen kann, sollte dies notwendig werden. In einer ersten Reaktion hat der Bund-Future merklichen Auftrieb…

5 Jahre Nullzinspolitik – Zeit für ein kurzes Résumé

Fünf Jahre Nullzinspolitik stellen eine gefühlte Ewigkeit dar. Insbesondere wenn man bedenkt, dass seit Einführung des Euro die bis dahin längste Phase unveränderter Leitzinsen gut zwei Jahre andauerte. Zwischen Juni 2003 und September 2005 lag der Hauptrefinanzierungssatz konstant bei 2%. In den restlichen Jahren bis 2016 waren regelmäßige Anpassungen eher die Norm. Gut möglich, dass die EZB auch nach März 2016 den Hauptrefinanzierungssatz gerne weiter gesenkt hätte – aber mit einem Niveau von 0% war eine untere Grenze erreicht. Als Ausweichinstrument bot sich nur noch der Einlagesatz, der schrittweise bis auf -0,5% gesenkt wurde. Das ursprüngliche Ziel, mit einer derart weiten Absenkung der Leitzinsen deflationären Tendenzen entgegenzuwirken, dürfte die EZB erreicht haben. Allerdings kann das nur als Minimalziel verstanden werden. Schließlich besteht das Mandat der EZB darin, mit einer Inflationsrate von knapp unter 2% die Preisstabilität im Euroraum zu gewährleisten. Vor dem Hintergrund, dass die durchschnittliche Inflationsrate in den letzten…

EZB stemmt sich gegen Renditeanstieg

Seit der letzten Zusammenkunft der Notenbank-Oberen sind die zehnjährigen Bundrenditen in der Spitze um 23 Basispunkte angestiegen. Auch wenn ein gewisser Renditeanstieg aufgrund der zu erwartenden konjunkturellen Erholung in der zweiten Jahreshälfte gerechtfertigt erscheint, ist die Dynamik den Währungshütern ein Dorn im Auge. So könnte ein übermäßig rascher Anstieg der Kapitalmarktrenditen die Erholung der Wirtschaft ausbremsen. Vor diesem Hintergrund haben die Notenbank-Oberen zuletzt auch verbal interveniert. Nichtsdestotrotz bewegen sich die Bundrenditen nach wie vor merklich oberhalb der Niveaus von Mitte Januar (-0,48%). Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass Lagarde zumindest versuchen wird, den weiteren Aufwärtsspielraum der Renditen im Euroraum zu limitieren. In diesem Zusammenhang wird die EZB-Chefin hervorheben, dass die ultra-expansive Geldpolitik noch geraume Zeit fortgesetzt wird. Sollte sich dieser Hinweis als nicht ausreichend erweisen, um dem Aufwärtsdrang der Renditen Einhalt zu gebieten, dürfte unserer Einschätzung nach das PEPP verstärkt zum Einsatz kommen. So wäre es durchaus vorstellbar,…

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