Eurozone

Niederländische Regierung tritt zurück – kein Grund zur Panik

Rund zwei Monate vor der Parlamentswahl am 17. März ist die niederländische Regierungsmannschaft geschlossen zurückgetreten. Der Hintergrund für den überraschenden Rücktritt liegt in einer Affäre um Kinderbeihilfen. Um vermeintlichen Betrug zu bekämpfen, hatten niederländische Steuerbehörden von etwa 2013 bis 2019 von Eltern jeweils Zehntausende Euro Kinderbeilhilfen zurückgefordert. Rund 20.000 Familien gerieten in den Niederlanden so in finanzielle Not. Eine Untersuchungskommission kam im Dezember letztendlich zu dem Urteil, dass diese Praxis Unrecht war und die „Basisprinzipien des Rechtsstaates“ verletzt wurden – ein herber Schlag für die niederländische Politik. Rutte und sein Team übernehmen zwar die politische Verantwortung für das Debakel, insgesamt kann der geschlossene Rücktritt aber eher als symbolischer Akt verstanden werden – kein Grund zur Panik. Sigrid Kaag, Ministerin für Außenhandel, sagte hierzu: „Das Vertrauen in den Staat muss wiederhergestellt werden.“ Der Regierungsrücktritt trifft die Niederlande mitten in der Corona-Krise: Die Neuinfektionszahlen liegen trotz der massiven Beschränkungen für die Bevölkerung…

Neuwahlen in Italien wären aus Marktsicht die schlechteste Option

Nach dem Aus des Drei-Parteien-Bündnisses in Rom sucht Ministerpräsident Conte nach einem Weg, die Regierung fortzusetzen und damit eine noch größere politische Krise inmitten der Pandemie zu verhindern. Da nur der kleinste Koalitionspartner, Italia Viva, seinen Rückzug aus der Regierung erklärt hat, wird der Premier Gespräche mit moderaten Oppositionsparteien führen. Hierzu müsste Conte entweder auf die Forza Italia (Fi, Mitte-rechts) oder auf mehrere Kleinst- und Regionalparteien zugehen. Ein solches Bündnis wäre voraussichtlich aber politisch instabil und nur für kurze Zeit denkbar. Gelingt es Conte nicht, neue Mehrheiten zu schmieden, läge der Ball zunächst im Feld des Staatspräsidenten Mattarella. Er würde mit den größten im Parlament vertretenden Parteien über die Möglichkeiten einer Regierungsneubildung sprechen. Hier könnte eine Regierung der „nationalen Einheit“ ins Gespräch kommen, die von einer überparteilichen Person geführt würde und bis zum Ende der Pandemie im Amt bleiben könnte. Gelingt es dem Staatspräsidenten und den führenden Parteien nicht, eine…

EUR-USD mit weiterem Aufwertungspotenzial im Jahr 2021

Die Corona-Krise wütet weiter ungemindert. Zuletzt wurden weltweit mehr als 800.000 Neuinfektionen pro Tag vermeldet. Den Finanzmarkt kümmert das nicht, hier dominiert weiterhin die Hoffnung auf eine zügige Impfkampagne und somit ein zumindest absehbares Ende der Krise. Aktienmärkte steigen von einem Rekordhoch zum nächsten, nicht zuletzt auch getrieben von der Erwartung, dass Zentralbanken und Regierungen auch in diesem Jahr alles tun werden, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise abzufedern. Wie schon in unserem Jahresausblick beschrieben, gehen wir davon aus, dass sich das allgemein positive Marktsentiment im weiteren Jahresverlauf halten wird. Selbst sollte sich herausstellen, dass die Impfkampagnen langsamer anlaufen als erhofft, dürfte sich hieran wenig ändern. Zu groß ist das Vertrauen in die Fähigkeit von Zentralbanken und Regierungen, einen adäquaten Puffer zu sichern. Dieses positive Marktumfeld hat in den vergangenen Monaten allerdings auch dazu geführt, dass der US-Dollar auf breiter Basis an Boden verloren hat. In seiner Funktion als sicherer…

Strenge EU-Taxonomiekriterien sind kein Wachstumsimpuls für „grüne Covered Bonds“

Mit dem Green Deal versucht die EU-Kommission die europäischen Klimaziele zu erreichen. Ausgerechnet ein Baustein des Green Deals – die jüngste Taxonomie-Verordnung – könnte die Entwicklung eines Marktes für grüne Covered Bonds hemmen. Ende November 2020 hat die Europäische Kommission den Entwurf des ersten delegierten Rechtsakts zur Taxonomie-Verordnung vorgelegt, welcher erste Kriterien für ökologisch nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten definiert. Im Rahmen der öffentlichen Konsultation hat sich die Lobbyvereinigung der Covered Bond Emittenten (European Covered Bond Council, ECBC) dazu geäußert und dabei insbesondere die Kriterien für Immobilien betrachtet. Wenngleich die Vereinigung die mit der EU-Taxonomie einhergehenden Ziele unterstützt, stellt sie einige Bedenken und Kritikpunkte an den vorgeschlagenen Kriterien für taxonomiekonforme Immobilien heraus. Unter anderem kritisiert der Lobbyverband die strenge Anforderung an die Energieeffizienzklasse. Demnach sollten nur jene vor dem Jahr 2020 gebauten Gebäude taxonomiefähig sein, die mindestens über einen Energieausweis mit der Energieeffizienzklasse „A“ verfügen. Da laut Verband nur wenige Gebäude diese Klasse…

EWU-Konjunktur: Die Hoffnung auf den Aufschwung lebt!

Der Euro-Raum befindet sich mitten in der zweiten Pandemie-Welle, doch die Zeichen für einen bevorstehenden wirtschaftlichen Aufschwung mehren sich. Das verdeutlicht die aktuelle Entwicklung unseres konjunkturellen Frühindikators. Der DZ BANK Euro-Indikators ist im Januar 2021 um 0,8 Prozent auf ein Niveau von 98,8 Punkten angestiegen. Damit liegt die Jahresveränderungsrate des Indikators mit +0,2 Prozent erstmals seit rund zweieinhalb Jahren wieder über der Nulllinie. Den Rückschlag aus dem November, als der beginnende Lockdown in einer ganzen Reihe von Ländern vor allem die europäischen Stimmungsindikatoren merklich belastet hatte, konnte im abgelaufenen Monat mehr als aufgeholt werden. Dabei haben zuletzt fast alle in die Berechnung eingehenden Subindikatoren zur Erholung unseres Frühindikators beigetragen.  So konnte sich das Verbrauchervertrauen in Europa gemäß der Umfrage der EU-Kommission im Dezember wieder etwas erholen. In den Herbstmonaten war die Messzahl auf den niedrigsten Stand seit dem Frühjahr gefallen. Im Dezember schätzten die privaten Haushalte den allgemeinen Konjunkturausblick trotz…

EWU-Inflation Ende 2020 weiter negativ – Moderater Anstieg 2021 zu erwarten

Im Dezember blieb die Inflationsrate im Euro-Raum den fünften Monat in Folge im negativen Bereich. Die Teuerungsrate der Verbraucherpreise lag bei -0,3 Prozent. Im den vorangegangenen drei Monaten waren die Preise gegenüber dem Vorjahresmonat ebenfalls um 0,3 Prozent gesunken. Für das Gesamtjahr 2020 bedeutet dies, dass die Inflationsrate im Euro-Raum nur knapp über Null gelegen hat. Die sinkende Inflationsrate erklärt sich zu großen Teilen durch die pandemie-bedingt rückläufige Entwicklung bei den Energiepreisen. Im Dezember ist der Effekt zwar etwas schwächer geworden ist, er wirkt aber noch immer. Denn einer der wesentlichen Treiber der Energiepreise – der Preis für Rohöl – notierte im Dezember 2020 noch immer mehr als 20 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Auch die Auswirkungen der verschiedenen Lockdown-Maßnahmen haben zu sinkenden Preisen bei den sonstigen Gütern und insbesondere bei den Dienstleistungen geführt. Bei den Dienstleistungen, die immerhin ein Gewicht von mehr als 40 Prozent im Warenkorb der Inflationsrate haben,…

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