Eurozone

Süßes Gift PEPP

Die Staatsverschuldung erreicht in vielen EWU-Staaten, vor allem auch in Italien, neue Rekordstände. Angesichts der ausufernden Schuldenstände wären normalerweise alle Voraussetzungen für eine Marktkrise bei Staatsanleihen des Peripheriesegments gegeben, wie sie bereits im Nachgang der Finanzkrise auftrat. Dass dies verhindert werden konnte, lag in erster Linie am größten Anleiheankaufprogramm der EZB seit Gründung der Währungsunion – dem Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP). Aus der Sicht der Staaten ist die Hilfe der Notenbanken aber ein zweischneidiges Schwert – eine Art süßes Gift. Zwar wären fiskalische Maßnahmen im beschriebenen Umfang ohne das Zutun der EZB nicht möglich und / oder das Risiko einer weiteren Staatenfinanzkrise groß gewesen, die Gefahr einer dauerhaften Abhängigkeit vor allem Italiens von der Geldpolitik ist jedoch bereits greifbar. Unsere Modellberechnungen zeigen: Reduziert Italien ab 2023 sein Primärdefizit auf 1% des BIP und liegt das Nominalwachstum fortan auf Vorkrisenniveau, müssten die italienischen Risikoaufschläge dauerhaft auf dem jetzt sehr niedrigen…

Berichtssaison in Europa: Jubelsturm mit Störungen

Die Berichtssaison in den USA ist in vollem Gange, und nun werden auch europäische Unternehmen bis Mitte Mai ihre Ergebnisse für das erste Quartal vorlegen. Die im Vergleich zu China und den USA schwächere wirtschaftliche Entwicklung Europas wird sich in den Zahlen niederschlagen: Für den Stoxx 600 wird erwartet, dass die Unternehmensumsätze im Vergleich zum Vorjahresquartal nur um drei Prozent gestiegen sind. Das wäre eine schwächere Erholung als bei den Unternehmen im S&P 500, für die wir ein Umsatzplus von neun Prozent erwarten. Wir erwarten, dass die Stoxx 600-Unternehmen im ersten Quartal 79 Mrd. Euro Gewinn nach Steuern ausweisen werden, gegenüber 49 Mrd. Euro im ersten Quartal 2020. Die Nettogewinne der Stoxx 600-Unternehmen (+61%) werden damit schneller wachsen als die ihrer S&P 500-Pendants (+33%). Das dynamischere Gewinnwachstum ist auf die niedrigere Basis im Vergleichsquartal 2020 zurückzuführen. Im Stoxx 600 sind viele konjunktursensible Unternehmen gelistet und es fehlen Technologiewerte, die in…

S&P stuft Griechenland-Rating herauf

Es gibt sie noch, die positiven Ratingnachrichten inmitten der Corona-Krise. Die Ratingagentur hat am Freitagabend bekanntgegeben, dass sie das Rating Griechenlands um eine Stufe auf „BB“ anhebt und den Ausblick auf positiv setzt. Hintergrund der Entscheidung ist die Erwartung von S&P, dass sich sowohl die hellenische Wirtschaft als auch die Staatsfinanzen schnell von der Covid-19-Pandemie erholen werden. Diese Erwartung fußt zum einen auf den Strukturreformen der Regierung in Athen, die nunmehr Früchte tragen. Zum anderen hebt S&P auch hervor, dass Hellas sowohl von den Einnahmen aus dem Wiederaufbaufonds profitieren werde als auch die Anleihekäufe der EZB (PEPP) günstige Refinanzierungsbedingungen sicherstellten. Griechenland wird bis 2027 voraussichtlich etwa 19,4 Mrd. Euro an Zuschüssen aus der Aufbau- und Resilienzfazilität erhalten. Konkret dürfte Griechenlands Wirtschaft um 4,9% in diesem Jahr wachsen, nach einem Rückgang in Höhe von 8,2% im Vorjahr, so S&P. Griechenlands Budgetdefizit soll von 9,7% des BIP im Jahr 2020 auf nunmehr…

Einkaufsmanagerindizes im Euro-Raum: Stimmung in der Industrie nahe dem Rekordniveau, Dienstleister optimistischer

Die Gesamtstimmungslage der Einkaufsmanager im Euro-Raum hat sich im April weiter leicht verbessert. Der umfassende Composite-Einkaufsmanagerindex zur Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe und unter den Dienstleistern stieg von 53,2 Punkte im März auf 53,7 Punkte. Er erreichte damit ein 9-Monatshoch, trotz der verschärften Lockdown-Bedingungen. Die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe bewegt sich weiter auf Rekordniveau, es bleibt allerdings zu hoffen, dass der geäußerten Zuversicht nun auch wirklich steigende Produktionszahlen folgen. Zuletzt hatten die „harten“ Zahlen zur Industrieproduktion nämlich enttäuscht. Wirklich positiv ist aber, dass die Messzahl der Dienstleister das erste Mal seit August die neutrale Marke von 50 Indexpunkten wieder überschreiten konnte. Damit hellten sich die konjunkturellen Perspektiven zu Beginn des zweiten Quartals auf. Das sind erste Anzeichen für eine moderate Erholung im zweiten Quartal. Die Stimmung der deutschen Einkaufsmanager hat sich dagegen im April etwas eingetrübt. Der Composite Index ging von 57,3 Zählern auf immer noch 56,0 Punkte zurück. Sowohl die…

EZB: PEPP-Ankauftempo im Juni auf dem Prüfstand

Die europäischen Währungshüter haben im Rahmen der heutigen Ratssitzung erwartungsgemäß keine Anpassungen am geldpolitischen Kurs vorgenommen. Die Notenbank-Oberen haben vielmehr ihren Beschluss vom Vormonat bestätigt, wonach das Ankauftempo im Rahmen des PEPP im zweiten Quartal forciert wird. Nach Einschätzung von EZB-Chefin Lagarde benötigt die europäische Wirtschaft weiterhin umfangreiche geldpolitische Unterstützung. So sei der Ausblick für die Wirtschaftsentwicklung nach wie vor mit Unsicherheit behaftet. In diesem Zusammenhang wird auf die stotternde Impfkampagne und die weiter steigenden Corona-Ansteckungszahlen verwiesen. Mit Blick auf die zweite Jahreshälfte bleiben die Währungshüter aber zuversichtlich und rechnen mit einem Aufschwung der europäischen Wirtschaft. Zugleich mahnte Lagarde die europäischen Regierungen mit Blick auf den EU-Aufbaufonds (NGEU) aber weiter zur Eile. So muss nach Ansicht von Lagarde sowohl die Geld- als auch die Fiskalpolitik ihren Beitrag zur Genesung der Wirtschaft leisten. Die Inflation hat zwar zuletzt Auftrieb erfahren, doch sei dies vor allem auf temporäre Faktoren zurückzuführen. Eine Adjustierung…

EU setzt neue Regeln für „grüne“ Investments

Gestern hat die Europäische Kommission eine Reihe von Gesetzesvorschlägen veröffentlicht, die in erster Linie auf eine nachhaltigere Ausrichtung des Finanzwesens abzielen. Dabei ist insbesondere die politische Einigung über die Konkretisierung der EU-Taxonomie hervorzuheben. Im Kern geht es bei der Taxonomie darum, Kapitalströme in ökologisch nachhaltige wirtschaftliche Projekte zu lenken und „Greenwashing“ zu verhindern – durch eine gemeinsame Sprache und klare Definitionen von „Nachhaltigkeit“. Da die Verordnung jedoch eher als allgemeines Rahmenwerk in Bezug auf die Definition ökologisch nachhaltiger Wirtschaftsaktivitäten und die Umweltziele zu sehen ist und weniger als allumfassende Liste, bedurfte es zusätzlich konkreter technischer Bewertungskriterien im Zuge eines delegierten Rechtsakts. Dies ist nun für die ersten beiden Umweltziele (Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel) geschehen. Ursprünglich sollte der Rechtsakt bereits Ende 2020 verabschiedet werden, aufgrund der zahlreichen Rückmeldungen zog sich dies jedoch bis in den April 2021. Formal wird der Text Ende Mai angenommen, um dann ab dem 01….

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