Eurozone

Parlamentswahlen in den Niederlanden – Südeuropa behält seinen politischen Gegenspieler

Am 17. März finden in den Niederlanden allgemeine Parlamentswahlen statt. Pandemie-bedingt wird die Wahl anders als sonst üblich ablaufen müssen. Die Wahlurnen werden bereits am 15. März geöffnet, um größere Menschenansammlungen zu vermeiden. Ein Kernthema des bisherigen Wahlkampfs ist zunächst einmal – nicht sehr überraschend – die Bewältigung der Corona-Krise. Aber auch die Unterstützung und Förderung des niederländischen Mittelstands sowie von Kleinunternehmen und Start-Ups spielen im Wahlkampf eine wichtige Rolle. Ein Blick auf das aktuelle Umfragebild zeigt gute Chancen für Premier Rutte, die Wahl zu gewinnen. Die Demoskopen sprechen Ruttes liberalkonservativer VVD aktuell im Schnitt knapp 38 von 150 Sitzen im Parlament zu – Platz eins! Auf dem zweiten Platz liegt mit im Schnitt knapp 22 Sitzen die rechtspopulistische PVV unter der Parteiführung Geert Wilders. Der PVV-Parteivorsitzende ist ein starker Kritiker der Europäischen Union und der Währungsunion. Der Rest des sehr fragmentierten Parteienspektrums liegt etwas weiter abgeschlagen mit jeweils weniger…

Spanien: Wirtschaftliche Erholung hängt am Tropf des Tourismus

Spanien gehört wirtschaftlich zu den großen Verlierern des Corona-Jahres 2020. Der Rückgang der Wirtschaftsleistung um 11,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr war nicht nur gewaltig. Der Einbruch katapultierte das Niveau des Bruttoinlandsproduktes (BIP) zweitweise in das Jahr 2002 zurück. Ein wesentlicher Grund für den kräftigen Einbruch der Wirtschaftsleistung seit Pandemiebeginn lag vor allem auch in der Entwicklung des Tourismus. Dieser ist ein wichtiger Eckpfeiler der spanischen Volkswirtschaft. Laut dem internationalen Forum der Reise- und Tourismusindustrie (WTTC = World Travel & Tourism Council) hat der Tourismusbereichs im Vorkrisenjahr 2019 hohe 14,3 Prozent zur gesamten Bruttowertschöpfung beigetragen. Die Tourismusbranche hat nach eigenen Angaben die Wintermonate bereits „abgeschrieben“. Große Hoffnungen ruhen nun auf einer Belebung ab dem Frühjahr. Umfragen unter Verbrauchern weisen auf eine hohe Reisebereitschaft hin und die spanischen Fremdenverkehrsverbände sprechen bereits wieder von soliden Buchungszahlen, insbesondere für die Sommermonate. Dennoch geben die Umfrageergebnisse auch eine gewisse Kundenskepsis wider. Von einem Andrang wie…

Leidet die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken unter Corona?

Seit Ausbruch der Gesundheitskrise sind massive Interventionen der Notenbanken und Staaten zu beobachten. Die Regierungen der westlichen Industrieländer setzen auf gigantische Konjunkturpakete. In der Folge sind die staatlichen Defizite stark angestiegen und die Verschuldung in vielen Ländern ist auf historische Niveaus geklettert. Im gleichen Zuge weiten die Zentralbanken ihre Bilanzen erneut kräftig aus, indem sie die Staatsanleihen kaufen, die die Regierungen derzeit zur Bekämpfung der Gesundheitskrise begeben müssen. Die aktuelle Symbiose von Fiskalpolitik und Geldpolitik wird von einigen Marktteilnehmern kritisch beäugt. Am Kapitalmarkt kommen Sorgen auf, ob die Zentralbanken nicht zwangsverpflichtet werden, die Anleihekäufe zeitlich länger aufrechtzuerhalten als nötig. Hinter dieser Überlegung steht, dass die Währungshüter die Finanzierungskosten für die Regierungen längerfristig niedrig halten, damit der starke Schuldenanstieg über niedrige Renditen finanzierbar bleibt. In diesem Fall würde die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken leiden. Die Glaubwürdigkeit einer Zentralbank wird unseres Erachtens von drei Fragen beeinflusst. Können die Notenbanken mit der extrem expansiven…

Einkaufsmanagerindizes im Euro-Raum: Industrie verhindert Schlimmeres

Die Gesamtstimmungslage der Einkaufsmanager im Euro-Raum hat sich im Februar leicht verbessert. Der umfassende Composite-Einkaufsmanagerindex zur Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe und unter den Dienstleistern stieg von 47,8 auf 48,1 Punkte. Trotz der Verbesserung bleibt die Messzahl unterhalb der neutralen Marke von 50 Indexpunkten und gibt das Signal weiterhin schwieriger Wirtschaftsbedingungen. Dies entspricht insgesamt unserem Prognosebild: Die pandemie-bedingten Einschränkungen des wirtschaftlichen und sozialen Lebens dürften die Euro-Raum-Wirtschaft im ersten Quartal 2021 erneut gebremst haben. Hinter der Bewegung im Februar steht eine nach wie vor kräftige Industriekonjunktur, die Schlimmeres verhindert, während der Dienstleistungsbereich tiefer in den rezessiven Bereich rutscht. Ähnlich wie im Euro-Raum insgesamt, verhält es sich auch in Deutschland: Tristesse bei den Dienstleistern und Hochstimmung im verarbeitenden Gewerbe. Die Stimmungswerte in der Industrie fallen wesentlich optimistischer aus und klettern dank eines starken Exportgeschäfts mit 60,6 Indexpunkten sogar auf den höchsten Wert seit drei Jahren. Die Industrie federt zwar gesamtwirtschaftlich viel ab,…

Der EU droht bereits der nächste Grundsatzstreit

Die EU befindet sich inmitten der zweiten Welle der Corona-Pandemie. Das gesamte Ausmaß der Schäden der Krise lässt sich bislang nur erahnen. Eines zeichnet sich aber bereits jetzt ab: Die Pandemie ist nicht nur eine menschliche Tragödie, ihre wirtschaftliche Bewältigung erfordert auch einen enormen finanziellen Kraftakt – vor allem der Staaten. Für 2021 hatte die EU-Kommission deswegen die Defizitregeln außer Kraft gesetzt. Ohne Beschränkungen bei der Höhe der Mittelaufnahme und mit der EZB als größtem Nachfrager der Schuldtitel ist die Refinanzierung der Staaten derzeit sichergestellt. Die Frage ist aber, wie geht es im kommenden Jahr weiter, wenn die Pandemie hoffentlich abklingt und sich die EU voraussichtlich im wirtschaftlichen Aufschwung befindet? In der an Dynamik gewinnenden öffentlichen Debatte scheinen sich zwei politische Lager herauszubilden. Das eine Lager fordert eine über dieses Jahr hinaus anhaltende expansive Fiskalpolitik sowohl der EU als auch der Nationalstaaten. Sehr früh hatte sich der italienische EU-Währungskommissar Gentiloni…

Euro-Raum und USA: Stärkere Inflation 2021 ist ein Ausreißer

Die Inflation hat sich im Euro-Raum und in den USA im vergangenen Jahr krisenbedingt deutlich abgeschwächt, in der EWU rutschte die Teuerungsrate zeitweise sogar in den negativen Bereich. Rohöl hat sich zum Jahresauftakt 2021 aber wieder spürbar verteuert, konjunkturell steht ein „Post-Corona-Boom“ bevor und in den USA verfolgt die neue Regierung eine expansive Fiskalpolitik. Der Preisdruck steigt damit. Kommt nach der Pandemie die große Inflation?  Tatsächlich dürften die Teuerungsraten im Euro-Raum und in den USA 2021 deutlich anziehen. So rechnen wir mit einem Anstieg der Verbraucherpreise im laufenden Jahr gegenüber dem Vorjahr um durchschnittlich 2,6 Prozent in den USA und um 1,6 Prozent in der EWU. In einzelnen Monaten dürften die Inflationsraten sogar noch deutlich höher ausfallen: In den Vereinigten Staaten rechnen wir in der Spitze mit Teuerungsraten von etwas über drei Prozent im zweiten Quartal 2021 und in der EWU wird die Inflationsrate voraussichtlich im Spätsommer die Zwei-Prozent-Marke erklimmen. …

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