Emerging Markets

Türkische Lira unter Druck… und täglich grüßt der Erdogan

Die Dreiecksbeziehung zwischen dem türkischen Präsidenten Erdogan, seiner Zentralbank und der zugehörigen Landeswährung lässt sich seit längerem bestenfalls als angespannt bezeichnen. Bereits zum dritten Mal binnen weniger als zwei Jahren nutzte das Staatsoberhaupt am vergangenen Wochenende seine Befugnisse und setzte den amtierenden Notenbankchef Naci Agbal per Dekret vor die Tür. Hintergrund dürfte die unter dessen Leitung vergangene Woche beschlossene Leitzinsanhebung um 200 Bp sein. Ein Leitzins von 19% mag zwar angesichts einer Inflationsrate von rund 16% (J/J) mit steigender Tendenz für die meisten objektiven Beobachter angemessen erscheinen. Beim Präsidenten und Verfechter niedriger Zinsen brachte die Entscheidung aber offensichtlich das Fass zum Überlaufen. Kein Wunder, schließlich ist der im internationalen Vergleich sehr hohe Leitzins nicht nur eine Belastung für die Wirtschaft der Türkei. Nach Ansicht Erdogans ist er darüber hinaus die Ursache für die hohe Inflationsrate. Dieser äußerst unorthodoxen ökonomischen Theorie kann offenbar auch der neue Mann an der Spitze der…

Dollar-Lira unterschreitet Marke von 7,00 TRY

Bis vor gut drei Monaten eilte die türkische Landeswährung von einem historischen Tief zum nächsten. Zeitweise näherte sich das Währungspaar Dollar-Lira Kursen von 8,60 TRY. Ein zu hoher Preisdruck, offensichtlich geschönte Inflationszahlen und eine viel zu lockere Geldpolitik waren die Ursache für diesen Wertverfall. Seither hat sich einiges getan. Auslöser für den veränderten Blick auf die Türkei waren die Entscheidung von Staatspräsident Erdogan, den Zentralbankchef auszutauschen, und der Rücktritt von dessen Schwiegersohn vom Posten des Finanzministers. Anfang November hatte Naci Agbal den Posten des Zentralbankchefs übernommen. Drei geldpolitische Sitzungen und zwei Leitzinserhöhungen später hat sich die Lira nicht nur spürbar erholt. Vielmehr ist sie die Währung mit der mit Abstand besten Performance der vergangenen Monate. Über 20% konnte die Landeswährung seit der Amtsübernahme Agbals gegenüber dem US-Dollar zulegen, allein seit Jahresbeginn beträgt das Plus knapp 7%. Gekrönt wurde die beeindruckende Performance heute Morgen. Erstmals seit Sommer letzten Jahres fiel das…

Leitzinserhöhungserwartungen beflügeln die tschechische Krone

Die tschechische Krone lässt dieser Tage gegenüber dem Euro die Muskeln spielen und nimmt hierbei Kurs auf ihre Vor-Corona-Niveaus von Anfang März 2020. Rückenwind erfährt die kleine CE3-Währung derzeit nicht nur von dem freundlichen Marktsentiment gegenüber Schwellenländerwährungen. Vielmehr spielen ihr auch die jüngst besser als erwartet ausgefallenen vorläufigen tschechischen Wachstumszahlen für das Schlussquartal 2020 sowie besonders die dort aufgekommenen Leitzinserhöhungserwartungen in die Hände. Nahrung erhielten diese geldpolitischen Spekulationen u.a. durch Äußerungen des tschechischen Notenbankchefs Rusnok, welcher jüngst bis zu zwei Leitzinsanhebungen in diesem Jahr in Aussicht gestellt hat. Wenngleich die geldpolitische Freude der Krone angesichts der drastischen Lockerungen im vergangenen Jahr nur allzu verständlich ist, so warnen wir an dieser Stelle vor zu viel Euphorie und geben zu bedenken, dass die Krone womöglich noch einiges an Geduld wird aufbringen müssen, bevor die tschechischen Währungshüter (CNB) wirklich aktiv werden. Einen Hinweis hierauf gab zuletzt wieder einmal niemand geringeres als der dortige…

Betreibt die polnische Notenbank „Window Dressing“?

Der polnische Zloty ist zuletzt ungeachtet des freundlichen Risikosentiments des Marktes auf breiter Front unter spürbaren Abgabedruck geraten. Ursächlich dafür waren in erster Linie Marktspekulationen, wonach die polnische Notenbank (NBP) nicht nur am 18. Dezember, sondern auch noch einmal am 29. Dezember am Devisenmarkt interveniert haben könnte, um den Zloty zu schwächen. Bereits der erste potenzielle Eingriff der NBP warf angesichts eines nach wie vor hohen nationalen Preisdrucks sowie eines alles andere als starken Zlotys Fragen auf. Marktseitig mehrten sich Spekulationen, wonach die NBP Ende 2020 womöglich ihren Notenbankgewinn, der ja größtenteils an den Staat ausgeschüttet wird, durch entsprechende Bewertungseffekte ihrer Fremdwährungsreserven gesteigert haben könnte. So wirkt sich doch eine Aufwertung des Zloty dahingehend negativ auf das Finanzergebnis der NBP aus, als dass sie den Wert ihrer Fremdwährungsreserven in Zloty verringert. Angesichts des sich auch in Polen Corona-bedingt deutlich ausweitenden Haushaltsdefizits erscheinen solche Überlegungen nicht allzu abwegig. Sollten sich die…

Türkische Notenbank hebt Leitzins an – Lira zurecht skeptisch

Die türkische Zentralbank (TCMB) hat zuletzt eher unerwartet den Leitzins um 200 Bp auf 10,25% erhöht. Begründet wurde der Schritt explizit mit den Risiken für den Inflationsausblick sowie der Notwendigkeit, die Inflationserwartungen im Zaum zu halten. Lange hatten sich die Währungshüter geziert, diesen Schritt in Form einer Erhöhung des offiziellen Leitzinses zu gehen und damit eine seit Wochen überfällige Abkehr von der „restriktiveren Geldpolitik durch die Hintertür“ zu vollziehen. Spätestens seit Mitte August hatte die Zentralbank die Liquiditätsversorgung so gestaltet, dass Geschäftsbanken in teurere Refinanzierungsfazilitäten gedrängt wurden. Damit gelang es den Währungshütern zwar, die durchschnittlichen Refinanzierungskosten der Finanzinstitute zu erhöhen und so einen restriktiven Impuls in Richtung der türkischen Geldmärkte zu geben. Zugleich ging jedoch geldpolitische Transparenz und Glaubwürdigkeit verloren, wurde die zögerliche Haltung doch als Kniefall vor Staatspräsident Erdogan interpretiert. Dieser hatte sich auch zuletzt wieder lautstark für niedrigere Zinsen ausgesprochen. Die Anhebung des offiziellen Leitzinses stellt zwar gerade…

Türkei auf Kurs – für die nächste Lira-Krise

Die Lira kommt nicht zur Ruhe. Gegenüber dem US-Dollar verzeichnete die türkische Landeswährung jüngst ein neues Allzeittief, und auch im Verhältnis zur europäischen Gemeinschaftswährung sieht es nicht nennenswert besser aus. Erschwerend hinzu kommt, dass staatseigene Geschäftsbanken laut Medienberichten Lira-stützend am Devisenmarkt eingegriffen haben. Ansonsten wäre die Abwertung wohl noch deutlicher ausgefallen. Zwar waren die vergangenen Monate für das Gros der Währungen des Schwellenländersegments von enormen Herausforderungen geprägt. Es gibt jedoch nur wenige Vertreter, die seit Ausbruch der Corona-Krise ähnlich schlecht abgeschnitten haben wie die Lira. Auffällig ist zudem, dass noch nicht einmal die seit Anfang Mai zu beobachtende Aufhellung des globalen Sentiments nachhaltig positive Spuren bei der Lira hinterlassen hat. Der Eindruck, dass es sich bei der Schwäche der Landeswährung vorrangig um hausgemachte Probleme handelt, drängt sich demnach geradezu auf. Im Zentrum der Kritik steht die türkische Zentralbank. Die Währungshüter um Murat Uysal halten stur an ihrem offiziellen Leitzins von…

1 2 13