Devisenmärkte

US-Dollar Smile – Wer zuletzt lacht, lacht am besten?

Über viele Jahre hinweg schienen Devisenprognosen eine einfache Sache: Man musste einfach nur davon ausgehen, dass letztlich der US-Dollar als Sieger aus dem Rennen hervorgeht. Sei es aufgrund von US-Zinserhöhungen, wenn die Konjunktur brummt, sei es aufgrund von Safe-Haven-Zuflüssen, wenn Krisen das Geschehen dominieren. Oder anders gesagt: am Ende lachte immer der Dollar, egal ob die Zeiten gut oder schlecht waren („USD-Smile“). Von dieser mutmaßlichen Unfehlbarkeit ist beim Blick auf die letzten Monate nicht mehr viel übrig. Auch wenn in der EUR-USD-Relation derzeit eine gehörige Portion originärer EUR-Stärke eine Rolle spielt, ist die breit angelegte Schwäche der US-Währung unbestreitbar. Das DZ BANK Research geht allerdings davon aus, dass dies nur eine Übergangsphase ist und auf den Dollar im neuen Jahr wieder bessere Zeiten warten. Die wesentliche Annahme hierfür ist, dass es ihm gelingt, den Wandel von seiner Rolle als Safe-Haven-Währung zur zyklisch attraktiven Investitionswährung zu meistern, die dann vom US-Aufschwung…

Ein Vorgeschmack auf den harten Brexit

Die Regierungen von elf EWU-Ländern haben am Wochenende entschieden, ihre Grenzen für Güter und Personen aus Großbritannien für mindestens 72 Stunden zu schließen. Auf einer Notfallsitzung der EU könnte diese Maßnahme heute sogar auf die gesamte EU ausgeweitet werden. Mit dieser Entscheidung reagiert die EU auf die rasante Ausbreitung einer neuen Covid-Mutation in Großbritannien, die laut Schätzung der Experten 70% ansteckender ist als das bisherige Virus. Die Entscheidung die Grenzen zu schließen hat dramatische Auswirkungen auf die Reisetätigkeit, vor allem aber auf den Warenhandel. In Kent haben sich bereits riesige LKW-Staus gebildet, der Hafen von Dover wurde vorübergehend geschlossen. Auch wenn die von den EU-Ländern eingeführte Maßnahme zunächst nur den Warentransport aus Großbritannien heraus betrifft, ergeben sich dadurch natürlich auch Probleme für den Warentransport nach Großbritannien. Hier mehren sich nun die Sorgen, dass es über Weihnachten Warenknappheiten geben könnte. Zwar versucht die Regierung diese Ängste zu beschwichtigen, so seien Supermärkte…

Türkische Notenbank hebt Leitzins an – Lira zurecht skeptisch

Die türkische Zentralbank (TCMB) hat zuletzt eher unerwartet den Leitzins um 200 Bp auf 10,25% erhöht. Begründet wurde der Schritt explizit mit den Risiken für den Inflationsausblick sowie der Notwendigkeit, die Inflationserwartungen im Zaum zu halten. Lange hatten sich die Währungshüter geziert, diesen Schritt in Form einer Erhöhung des offiziellen Leitzinses zu gehen und damit eine seit Wochen überfällige Abkehr von der „restriktiveren Geldpolitik durch die Hintertür“ zu vollziehen. Spätestens seit Mitte August hatte die Zentralbank die Liquiditätsversorgung so gestaltet, dass Geschäftsbanken in teurere Refinanzierungsfazilitäten gedrängt wurden. Damit gelang es den Währungshütern zwar, die durchschnittlichen Refinanzierungskosten der Finanzinstitute zu erhöhen und so einen restriktiven Impuls in Richtung der türkischen Geldmärkte zu geben. Zugleich ging jedoch geldpolitische Transparenz und Glaubwürdigkeit verloren, wurde die zögerliche Haltung doch als Kniefall vor Staatspräsident Erdogan interpretiert. Dieser hatte sich auch zuletzt wieder lautstark für niedrigere Zinsen ausgesprochen. Die Anhebung des offiziellen Leitzinses stellt zwar gerade…

Türkei auf Kurs – für die nächste Lira-Krise

Die Lira kommt nicht zur Ruhe. Gegenüber dem US-Dollar verzeichnete die türkische Landeswährung jüngst ein neues Allzeittief, und auch im Verhältnis zur europäischen Gemeinschaftswährung sieht es nicht nennenswert besser aus. Erschwerend hinzu kommt, dass staatseigene Geschäftsbanken laut Medienberichten Lira-stützend am Devisenmarkt eingegriffen haben. Ansonsten wäre die Abwertung wohl noch deutlicher ausgefallen. Zwar waren die vergangenen Monate für das Gros der Währungen des Schwellenländersegments von enormen Herausforderungen geprägt. Es gibt jedoch nur wenige Vertreter, die seit Ausbruch der Corona-Krise ähnlich schlecht abgeschnitten haben wie die Lira. Auffällig ist zudem, dass noch nicht einmal die seit Anfang Mai zu beobachtende Aufhellung des globalen Sentiments nachhaltig positive Spuren bei der Lira hinterlassen hat. Der Eindruck, dass es sich bei der Schwäche der Landeswährung vorrangig um hausgemachte Probleme handelt, drängt sich demnach geradezu auf. Im Zentrum der Kritik steht die türkische Zentralbank. Die Währungshüter um Murat Uysal halten stur an ihrem offiziellen Leitzins von…

Neue Zielgrößen der Fed

Die gestrige Rede des Fed-Vorsitzenden Powell wurde mit Spannung erwartet, da er Anhaltspunkte über die längerfristige strategische Ausrichtung der US-Geldpolitik gegeben hat. Marktseitig wurde davon ausgegangen, dass die Fed eine Überschreitung des Inflationsziels ausdrücklich zulassen wird. Inflationsziel wurde in der Vergangenheit verfehlt Diese Erwartungen hat Powell voll erfüllt. Die Fed wird sich nicht mehr am Erreichen einer konkreten Inflationsrate orientieren, sondern an einer durchschnittlichen Inflationsrate von 2% im Zeitverlauf. Der Hintergrund dieser Anpassung ist, dass das Erreichen dieses Ziels schon in den zurückliegenden Jahren Probleme bereitet hat und die Inflation niedriger lag. Im Rahmen der schon im November 2018 begonnenen strategischen Überprüfung ihrer Geldpolitik hat die Fed diese Thematik untersucht und als Ergebnis nun ihr Zielsystem angepasst. Durchschnittliche Inflation – aber kein genauer Zeitpunkt Powell hat auf dem Notenbank-Symposium in Jackson Hole angekündigt, dass die Fed eine, wie er es nannte, „flexible Form des durchschnittlichen Inflationsziels“ einführen wird. Da Powell…

Gold springt locker über 2.000 USD

Wie ein hoch dekoriertes Sprungpferd nimmt Gold die 2.000er-Hürde problemlos. Vor allem unter institutionellen Anlegern ist Gold salonfähig geworden. Sie sehen sich zunehmend mit dem 16 Billionen US-Dollar Problem konfrontiert. So hoch kann nämlich das Volumen von Anleihen (Investment Grade) mit negativen Renditen beziffert werden. Anlagealternativen sind also ein rares Gut. Wir rechnen damit, dass die Investmentnachfrage aufgrund der aktuellen Zins- und Unsicherheitssituation weiter steigt. Zumal der Goldanteil in den institutionellen Portfolien mit unter 0,5 Prozent noch extrem gering ist.  Auch die Tatsache, dass der Status des US-Dollars als ultimativer sicherer Hafen zumindest Kratzer bekommt, spricht für ein fortgesetzt hohes Investoreninteresse. Es darf an der Stelle auch nicht vergessen werden, dass der Goldmarkt sehr eng ist. Die global ausstehenden Gold Exchange-Traded-Funds (ETFs) erreichen gerade mal eine Marktkapitalisierung, die in etwa der von SAP und Zalando entspricht. Selbst wenn Großanleger nur marginal ihre Goldpositionen erhöhen, kann dies einen erheblichen Einfluss auf…

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