Devisenmärkte

Euro mit Schwung in das zweite Quartal

Über Langeweile konnte sich das Währungspaar Euro-Dollar in den vergangenen Quartalen wirklich nicht beklagen – im Gegenteil! Nach deutlichen Kursgewinnen in der zweiten Jahreshälfte 2020 ging es in den ersten drei Monaten dieses Jahres wieder steil bergab. Pünktlich zu Beginn des zweiten Quartals wendete sich das Blatt wieder zugunsten der Gemeinschaftswährung und ließ diese den Bereich um 1,21 USD zurückerobern. Der im April zu beobachtende Sinneswandel rührt zu einem nicht unwesentlichen Teil von der Dollarseite her. In den USA hatte die Federal Reserve einige Mühe, die Marktteilnehmer davon zu überzeugen, dass sie trotz der kräftigen Konjunkturerholung und eines spürbar anziehenden Preisdrucks bis auf weiteres an ihrer lockeren geldpolitischen Ausrichtung festhalten wird. Dies scheint ihr mittlerweile gelungen zu sein. Aus Sicht des Greenback kommt erschwerend hinzu, dass marktseitig mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung in den USA bereits sehr viel Positives eingepreist wurde und selbst ein neues billionenschweres Fiskalpaket offensichtlich keine…

Digitalisierung von Geld – (Zentral-) Banken in der Pflicht

Die Diskussion um digitale Zentralbankwährungen (CBDC) hat in den vergangenen Jahren deutlich an Dynamik gewonnen. Weltweit haben Notenbanken Projekte mit dem Ziel aufgelegt, die Einsatzmöglichkeiten und Merkmale einer eigenen CBDC zu erforschen. Im vergangenen Herbst hat die CBDC-Debatte auch im Euroraum Fahrt aufgenommen. So veröffentlichte die Europäische Zentralbank im Oktober 2020 ihren Bericht zum „digitalen Euro“. Eine endgültige Entscheidung, ob das Projekt tatsächlich in Angriff genommen wird, will der EZB-Rat zwar offiziell erst Mitte dieses Jahres treffen. Jüngste Äußerungen von EZB-Vertretern lassen jedoch darauf schließen, dass die Weichen zugunsten eines digitalen Euro bereits gestellt sind. Ungeklärt ist zwar, welche Ziele mit einer CBDC im Euroraum verfolgt werden und über welche Eigenschaften sie verfügen soll. Dies hält zahlreiche Beobachter aber nicht davon ab, umfassende Kritik zu äußern. Einerseits werde das Vorhaben zu spät und nicht ambitioniert angegangen, andererseits werden der EZB weitreichende Eingriffe in die Rechte der Bürger vorgeworfen. Vernachlässigt wird…

Der US-Dollar und seine Hassliebe zu steigenden US-Renditen

Es gibt wenig Themen, die neben Covid-19 derzeit einen Platz in der Diskussion haben, der US-Zinsanstieg der letzten Wochen gehört fraglos dazu. Doch während sich die Ereignisse am Rentenmarkt überschlagen, beobachtet der Dollar diese Entwicklung geradezu lethargisch. Insbesondere ist nichts von der USD-Aufwertung zu sehen, die viele Beobachter angesichts der höheren US-Renditen erwartet hätten. Wie kann es sein, dass der Dollar diese „Mutter aller Fundamental-Argumente“ so konsequent ignoriert? Wer die Bewegung von Dollar und Zins nur isoliert von der US-Seite aus betrachtet, vernachlässigt, dass es am FX-Markt immer um die relative Attraktivität geht und jeder Wechselkurs zwei Seiten hat. Und in der Tat lässt sich die ambivalente USD-Reaktion gut durch den Zins-Spread zu anderen Währungen erklären. Während der Reflation Trade im Januar nur ein US-Thema war, wurde der Ausverkauf am Rentenmarkt im Februar zum globalen Phänomen. In Deutschland reicht der Renditeanstieg zwar nicht an die US-Dynamik heran, andere Länder wie…

EUR-USD mit weiterem Aufwertungspotenzial im Jahr 2021

Die Corona-Krise wütet weiter ungemindert. Zuletzt wurden weltweit mehr als 800.000 Neuinfektionen pro Tag vermeldet. Den Finanzmarkt kümmert das nicht, hier dominiert weiterhin die Hoffnung auf eine zügige Impfkampagne und somit ein zumindest absehbares Ende der Krise. Aktienmärkte steigen von einem Rekordhoch zum nächsten, nicht zuletzt auch getrieben von der Erwartung, dass Zentralbanken und Regierungen auch in diesem Jahr alles tun werden, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise abzufedern. Wie schon in unserem Jahresausblick beschrieben, gehen wir davon aus, dass sich das allgemein positive Marktsentiment im weiteren Jahresverlauf halten wird. Selbst sollte sich herausstellen, dass die Impfkampagnen langsamer anlaufen als erhofft, dürfte sich hieran wenig ändern. Zu groß ist das Vertrauen in die Fähigkeit von Zentralbanken und Regierungen, einen adäquaten Puffer zu sichern. Dieses positive Marktumfeld hat in den vergangenen Monaten allerdings auch dazu geführt, dass der US-Dollar auf breiter Basis an Boden verloren hat. In seiner Funktion als sicherer…

Betreibt die polnische Notenbank „Window Dressing“?

Der polnische Zloty ist zuletzt ungeachtet des freundlichen Risikosentiments des Marktes auf breiter Front unter spürbaren Abgabedruck geraten. Ursächlich dafür waren in erster Linie Marktspekulationen, wonach die polnische Notenbank (NBP) nicht nur am 18. Dezember, sondern auch noch einmal am 29. Dezember am Devisenmarkt interveniert haben könnte, um den Zloty zu schwächen. Bereits der erste potenzielle Eingriff der NBP warf angesichts eines nach wie vor hohen nationalen Preisdrucks sowie eines alles andere als starken Zlotys Fragen auf. Marktseitig mehrten sich Spekulationen, wonach die NBP Ende 2020 womöglich ihren Notenbankgewinn, der ja größtenteils an den Staat ausgeschüttet wird, durch entsprechende Bewertungseffekte ihrer Fremdwährungsreserven gesteigert haben könnte. So wirkt sich doch eine Aufwertung des Zloty dahingehend negativ auf das Finanzergebnis der NBP aus, als dass sie den Wert ihrer Fremdwährungsreserven in Zloty verringert. Angesichts des sich auch in Polen Corona-bedingt deutlich ausweitenden Haushaltsdefizits erscheinen solche Überlegungen nicht allzu abwegig. Sollten sich die…

Devisenmärkte im Corona-Jahr: Auf der Suche nach mehr Volatilität

Ende 2019 hatten wir dem Devisenmarkt ein Jahr mit auffallend niedriger Volatilität attestiert. Die Handelsspannen der von uns betrachteten Währungen lagen fast über das gesamte Spektrum hinweg am unteren Ende der in den vorhergegangen zehn Jahren observierten Bandbreite. Hätte damals jemand die Corona-Krise vorhergesagt, wären wir zweifelsohne zu der Schlussfolgerung gekommen, dass sich dies im Jahr 2020 dramatisch ändern würde. Doch wenngleich insbesondere in den ersten Monaten der Krise zum Teil äußerst dynamische Bewegungen am Devisenmarkt zu beobachten waren, lag die Volatilität vieler Währungspaare auch in diesem annus horribilis auf vergleichsweise niedrigen Niveaus. Unter den G10-Währungen lag die Handelsspanne im Jahr 2020 (High/Low in Prozent) für die meisten Währungspaare (vs. Euro) im mittleren bis unteren Feld der Bandbreite die wir in den vergangenen zehn Jahren beobachten konnten. Extrembeispiele sind EUR/JPY und EUR/CHF: die Handelsspannen von 10,8% bzw. 3,3% lagen deutlich unterhalb des 10-Jahresdurchschnitts von jeweils 17,7% bzw. 10,7%. Tatsächlich gab…

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