Deutschland

Insolvenzmeldepflicht ist wieder in Kraft, droht jetzt eine Insolvenzwelle?

Am Wochenende lief die zu Beginn der Corona-Pandemie eingeführte Aussetzung der Insolvenzantragspflicht aus. Zahlungsunfähige Unternehmen müssen jetzt wieder Insolvenz anmelden, auch wenn sie ausschließlich in Folge der Krise in Schieflage geraten sind. Mit der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht wurde ein Instrument geschaffen, dass eine Insolvenzwelle inmitten der Corona-Krise verhindern sollte. Dieses Ziel wurde nicht nur erreicht, sondern weit übertroffen: Im vergangenen Jahr, also mitten in der Krise, sanken die Unternehmensinsolvenzen um 16% gegenüber dem Vorjahr. Die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sorgte somit dafür, dass die Insolvenzmeldungen nicht die wirtschaftliche Entwicklung in der Corona-Krise widerspiegelten, sondern ein stark verzerrtes Bild der tatsächlichen Situation lieferten. Angesichts der weiter zunehmenden Lockdown-Dauer dürfte der Anstieg der Insolvenzmeldungen aber nicht verhindert, sondern nur verzögert worden sein. Erste Auswirkungen der im Zeitverlauf erfolgten Einschränkungen im Gesetzestext deuten dies bereits an, wie aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen: Im Februar 2021 stieg die Zahl der beantragten Regelinsolvenzen deutlich um…

Wirtschaftsleistung im Euro-Raum sinkt im ersten Quartal nur leicht – Aufschwung in der zweiten Jahreshälfte

Die wirtschaftlichen Folgen der dritten Welle der Corona-Pandemie in Europa fielen vergleichsweise glimpflich aus. Im ersten Quartal 2021 ist die Wirtschaftsleistung im Euro-Währungsgebiet um 0,6% gegenüber dem Vorquartal gesunken. Dies war weniger stark, als wir befürchtet hatten. Dennoch hat der Euro-Raum damit nach einem negativen vierten Quartal (‑ 0,7%) eine technische Rezession durchlaufen. Das Vorkrisenniveau vom Jahresende 2019 bleibt noch immer ein gutes Stück entfernt. Hier klafft eine Lücke von 5,5%: Die Ergebnisse der Schnellschätzungen aus den großen Mitgliedländern zeigen dabei deutliche Unterschiede in der Wirkung der Eindämmungsmaßnahmen auf die Gesamtwirtschaft. In Deutschland ging das Bruttoinlandsprodukt um 1,7% zurück. Damit bildet Deutschland diesmal in ungewohnter Weise das Wachstumsschlusslicht im Euro-Raum. Aber auch in Spanien sank das Bruttoinlandsprodukt um 0,5% und in Italien um 0,4% Prozent. Ein positives Quartalsergebnis kam aus Frankreich. Hier legte die Wirtschaftsleistung um 0,4% zu. Und auch Belgien und Österreich vermeldeten leichte Zugewinne von 0,6% bzw. 0,2% Prozent….

Berichtssaison in Europa: Jubelsturm mit Störungen

Die Berichtssaison in den USA ist in vollem Gange, und nun werden auch europäische Unternehmen bis Mitte Mai ihre Ergebnisse für das erste Quartal vorlegen. Die im Vergleich zu China und den USA schwächere wirtschaftliche Entwicklung Europas wird sich in den Zahlen niederschlagen: Für den Stoxx 600 wird erwartet, dass die Unternehmensumsätze im Vergleich zum Vorjahresquartal nur um drei Prozent gestiegen sind. Das wäre eine schwächere Erholung als bei den Unternehmen im S&P 500, für die wir ein Umsatzplus von neun Prozent erwarten. Wir erwarten, dass die Stoxx 600-Unternehmen im ersten Quartal 79 Mrd. Euro Gewinn nach Steuern ausweisen werden, gegenüber 49 Mrd. Euro im ersten Quartal 2020. Die Nettogewinne der Stoxx 600-Unternehmen (+61%) werden damit schneller wachsen als die ihrer S&P 500-Pendants (+33%). Das dynamischere Gewinnwachstum ist auf die niedrigere Basis im Vergleichsquartal 2020 zurückzuführen. Im Stoxx 600 sind viele konjunktursensible Unternehmen gelistet und es fehlen Technologiewerte, die in…

Corona-Sonderumfrage: Mittelstand stellt Corona-Politik schlechte Noten aus

Die deutschen Mittelständler stellen der Corona-Politik von Bund und Ländern schlechte Noten aus. So bewerten sie etwa die Reaktion der Bundesregierung auf die Herausforderungen der Corona-Krise mit „ausreichend plus“. Deutlich schlechter benotet der Mittelstand aber das Impfmanagement der Bundesregierung. Hier ergibt sich eine mangelhafte Bewertung. Mit einer Durchschnittsnote von „3,5“ fällt die Bewertung der Mittelständler für den Umfang der Corona-Hilfen für den Mittelstand fast noch „befriedigend“ aus. Es ist also weniger der Umfang der Hilfen, der die Kritik der Mittelständler auf sich zieht, als die Geschwindigkeit ihrer Auszahlung. Mit dem Infektionsschutzgesetz ging die Bundesregierung aber einen anderen genannten Kritikpunkt an: die allenfalls ausreichend bewertete Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern. Mit bundesweit einheitlichen Regelungen soll der Kampf gegen die Pandemie erfolgreicher verlaufen und Bürgern und Unternehmen besser vermittelt werden können. Auch wenn die meisten Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise eher aus einer kurzfristigen Notwendigkeit entstanden sind, werden einige dieser Maßnahmen noch…

Einkaufsmanagerindizes im Euro-Raum: Stimmung in der Industrie nahe dem Rekordniveau, Dienstleister optimistischer

Die Gesamtstimmungslage der Einkaufsmanager im Euro-Raum hat sich im April weiter leicht verbessert. Der umfassende Composite-Einkaufsmanagerindex zur Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe und unter den Dienstleistern stieg von 53,2 Punkte im März auf 53,7 Punkte. Er erreichte damit ein 9-Monatshoch, trotz der verschärften Lockdown-Bedingungen. Die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe bewegt sich weiter auf Rekordniveau, es bleibt allerdings zu hoffen, dass der geäußerten Zuversicht nun auch wirklich steigende Produktionszahlen folgen. Zuletzt hatten die „harten“ Zahlen zur Industrieproduktion nämlich enttäuscht. Wirklich positiv ist aber, dass die Messzahl der Dienstleister das erste Mal seit August die neutrale Marke von 50 Indexpunkten wieder überschreiten konnte. Damit hellten sich die konjunkturellen Perspektiven zu Beginn des zweiten Quartals auf. Das sind erste Anzeichen für eine moderate Erholung im zweiten Quartal. Die Stimmung der deutschen Einkaufsmanager hat sich dagegen im April etwas eingetrübt. Der Composite Index ging von 57,3 Zählern auf immer noch 56,0 Punkte zurück. Sowohl die…

Deutschland: BVerfG gibt grünes Licht für NGEU

Das BVerfG hat heute einen Eilantrag gegen das Eigenmittelbeschlussratifzierungsgesetz (ERatG) abgelehnt. Dieses Gesetz wurde kürzlich von Bundestag und Bundesrat verabschiedet und ist eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass Deutschland den EU-Vertrag zum Wiederaufbaufonds (NGEU) ratifizieren kann. Im Rahmen des ERatG erhöht sich Deutschlands Eigenmittelobergrenze auf 2% des Bruttonationaleinkommens (BNE). Konkret definiert die Eigenmittelobergrenze den maximalen Haftungsrahmen Deutschlands für den Wiederaufbaufonds, den die EU in erster Linie über die Ausgabe von Anleihen refinanzieren wird. Das BVerfG begründet die Entscheidung damit, dass „bei summarischer Prüfung […] sich eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen Verstoß gegen Art. 79 Abs. 3 GG allerdings nicht feststellen [lässt]“. Weiter führt das Gericht aus: „Die deshalb gebotene Folgenabwägung fällt zu Lasten der Antragstellerinnen und Antragsteller aus, weil die Nachteile, die sich ergeben, wenn die einstweilige Anordnung nicht erlassen wird, sich das ERatG später jedoch als verfassungswidrig erweisen sollte, weniger schwer wiegen als die Folgen, die einträten, wenn die einstweilige Anordnung…

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