Deutschland

Neue Aktienkultur in Deutschland?

Nach neuesten Zahlen des Deutschen Aktieninstituts ist die Zahl der Aktionäre und Aktienfondsbesitzer im letzten Jahr kräftig gestiegen – um 29 Prozent auf 12,4 Millionen. Vor allem junge Anleger haben sich erstmals an den Aktienmärkten engagiert. Doch ist das bereits die ersehnte neue Aktienkultur in Deutschland? Reicht der Aufschwung, um den Geldanlagestau bei den privaten Haushalten aufzulösen? Einlagenzinssätze nahe null Prozent und Anleiherenditen mit Minuszeichen – die langanhaltende Niedrigzinsphase bringt die in der Vergangenheit oft eher sicherheitsorientierten deutschen Privatanleger in ein Dilemma: Einerseits waren sie verständlicherweise kaum noch bereit, sich langfristig mit festverzinslichen Bankeinlagen oder Rentenpapieren zu binden. Andererseits mieden viele Haushalte Anlagen mit oft besseren Renditechancen aber Kursrisiken, wie Aktien oder Aktienfonds. Häufig blieben daher Sparbeträge und Rückflüsse aus fälligen Anlagen einfach auf dem Girokonto stehen. Die Folge war ein gewaltiger Geldanlagestau. Inzwischen sind rund zwei Billionen Euro dauerhaft in Form von Sichteinlagen oder Bargeld „zwischengeparkt“. Die Forderung einer…

Einkaufsmanagerindizes im Euro-Raum: Industrie verhindert Schlimmeres

Die Gesamtstimmungslage der Einkaufsmanager im Euro-Raum hat sich im Februar leicht verbessert. Der umfassende Composite-Einkaufsmanagerindex zur Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe und unter den Dienstleistern stieg von 47,8 auf 48,1 Punkte. Trotz der Verbesserung bleibt die Messzahl unterhalb der neutralen Marke von 50 Indexpunkten und gibt das Signal weiterhin schwieriger Wirtschaftsbedingungen. Dies entspricht insgesamt unserem Prognosebild: Die pandemie-bedingten Einschränkungen des wirtschaftlichen und sozialen Lebens dürften die Euro-Raum-Wirtschaft im ersten Quartal 2021 erneut gebremst haben. Hinter der Bewegung im Februar steht eine nach wie vor kräftige Industriekonjunktur, die Schlimmeres verhindert, während der Dienstleistungsbereich tiefer in den rezessiven Bereich rutscht. Ähnlich wie im Euro-Raum insgesamt, verhält es sich auch in Deutschland: Tristesse bei den Dienstleistern und Hochstimmung im verarbeitenden Gewerbe. Die Stimmungswerte in der Industrie fallen wesentlich optimistischer aus und klettern dank eines starken Exportgeschäfts mit 60,6 Indexpunkten sogar auf den höchsten Wert seit drei Jahren. Die Industrie federt zwar gesamtwirtschaftlich viel ab,…

Gespaltener Immobilienmarkt: Preisboom bei Wohnungen, Tristesse bei Büros und Handel

Der deutsche Immobilienmarkt präsentiert sich zum Jahresende 2020 tief gespalten. Nach den jüngst veröffentlichten Daten des Verbands deutscher Pfandbriefbanken nahm der Wohnungsmarkt im vierten Quartal weiter Fahrt auf, während Gewerbeimmobilien mit zunehmendem Gegenwind zu kämpfen haben. Weder hohe Preise noch die zweite „Corona-Welle“ konnten private Käufer aufhalten. Dazu tragen die gestiegene Wertschätzung einer schönen Wohnung, die vermeintliche Sicherheit von „Betongold“ und das historische Zinstief für Hypothekenzinsen bei. Die private Immobilienkreditvergabe überstieg 2020 mit 273 Mrd. Euro sogar den schon hohen Vorjahreswert und verlieh der Nachfrage, verstärkt von Eigenkapital und familiärer Hilfe, ordentlich „Wumms“. Durch das knappe Angebot an Eigenheimen und Eigentumswohnungen lagen die Preise zum Jahresende bundesweit 8,5 Prozent über dem Dezemberwert von 2019. Aber auch Kapitalanleger griffen beherzt zu. Die Wohnungsvermietung wirft zwar keine hohe Rendite ab, gilt aber mit stabilen Cashflows als risikoarm. Die Corona-Krise hat dieses Bild noch verfestigt, weil Mietrückstände entgegen der Erwartungen nicht nennenswert stiegen….

Deutsche Unternehmen schütten 40 Milliarden Euro aus

Siemens hat in der vergangenen Woche die Dividendensaison 2021 eröffnet. In den kommenden Monaten werden die deutschen Unternehmen rund 40 Mrd. Euro an die Aktionäre ausschütten. Zwar hat die Pandemie die Unternehmen im laufenden Geschäft 2020 unter Druck gesetzt, die aktuelle Berichtssaison zeigt jedoch, dass die Belastungen weniger stark ausfallen als erwartet. Da zudem viele Unternehmen die Dividenden bereits im Vorjahr reduziert haben, sollte der Rückgang der Ausschüttungen deutlich geringer ausfallen als bei den Gewinnen. Nach einem Dividendenrückgang von 16% im vergangenen Jahr erwarten wir nur noch einen leichten Rückgang von 3%. Der Blick nach vorn bleibt positiv. Die Gewinne der Unternehmen sollten sich in den folgenden Jahren deutlich erholen. Die Ausschüttungsrekorde von 2018 sollten mit den Bilanzen von 2022, also in zwei Jahren, wieder erreicht werden. Die Dividendenrendite ist in den letzten Monaten gefallen und liegt im DAX mit 3% rund 10% unter dem langjährigen Durchschnitt. Gegenüber Staatsanleihen bieten…

DAX steigt bis Jahresende auf 15.000 Punkte

Die DAX-Unternehmen sind sehr gut durch das Krisenjahr 2020 gekommen. Noch läuft die Berichtssaison zum Abschlussquartal, aber die Umsätze der Unternehmen dürften im vergangenen Jahr nur um vier Prozent gesunken sein. Die Gewinne sollten gegenüber 2019 um 14 Prozent geringer ausgefallen sein. In früheren Rezessionen sanken die Gewinne im Durchschnitt um ein Drittel, also deutlich stärker als im vergangenen Jahr. Aktienanalysten erwarten, dass die Gewinne im deutschen Leitindex in diesem Jahr um 30 Prozent zulegen und bereits 2022 wieder Rekordgewinne verbuchen werden. Obwohl sich die Gewinnerwartungen der Unternehmen in der Vergangenheit im Nachhinein (fast) immer als zu optimistisch erwiesen haben, liegt diese Einschätzung im Rahmen des Verlaufs früherer Gewinnzyklen an der Börse. In der Regel dauerte es etwa zweieinhalb Jahre, bis die alten Gewinnhochs wieder erreicht wurden. Voraussetzung für eine nachhaltige Erholung bei den Unternehmensgewinnen bleibt ein stabil prognostizierbarer Verlauf der Corona-Pandemie und das damit verbundene Ausmaß der Einschränkungen für…

Wie lange noch?

Dass der aktuelle Lockdown mit der weitgehenden Schließung von Schulen und Kindertagesstätten, Einzelhandel, Gaststätten und persönlichen Dienstleistern mindestens bis zum 15. Februar andauern wird, ist bekannt. Unklar ist jedoch, wie es danach weitergehen wird. Am 10. Februar findet der nächste Bund-Länder-Gipfel statt, in dem über eine Verlängerung der Maßnahmen entschieden wird. Für Haushalte und Unternehmen ist es enorm wichtig, eine Perspektive zu haben, wie es weitergeht und wann zumindest mit einer allmählichen Öffnung zu rechnen ist. Diese Perspektive hängt aber in hohem Maße von den Fortschritten bei der Impfkampagne ab. Bislang geht es hier leider nur sehr schleppend voran. Auf der Basis der in den letzten Tagen bekanntgewordenen Informationen über die voraussichtlichen Liefertermine der verschiedenen Impfstoffe lässt sich ableiten, dass am Ende des zweiten Quartals zumindest die Risikogruppen und die Bevölkerung über 65 Jahre geimpft sein könnten. Bis zur Impfung aller „Impfwilligen“ wird es wohl – selbst wenn alles gut…

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