Deutschland

Einkaufsmanagerindizes im Januar – Lockdowns drücken die Stimmung

Die zweite Welle der Pandemie hat Europa noch immer fest im Griff und die Einschränkungen im Wirtschaftsleben drücken bei den Unternehmen auf die Stimmung. Der umfassende Composite Einkaufsmanager-Index für den Euro-Raum zur Lage im Dienstleistungsbereich und in der Industrie ging im Januar von 49,1 auf 47,5 Punkte zurück. Dabei belasten die aktuellen Lockdowns die Dienstleister stärker als die Industrie. Auf Länderebene zeigt die Umfrage von IHS Markit, dass sich Deutschland noch relativ gut schlägt, Frankreich dagegen vermutlich stärkere Wachstumseinbußen hinnehmen muss. Nach Angaben von IHS Markit fällt die Stimmungslage in den restlichen Euro-Ländern aber sogar noch schlechter aus. Allein die Hoffnung auf bessere Geschäftsperspektiven in zwölf Monaten ist ein Lichtblick. Der Start in das noch junge Jahr 2021 ist durch die Corona-Situation aber sehr belastet. Die Ergebnisse zeigen, dass im ersten Quartal 2021 noch nicht mit einer konjunkturellen Erholung im Euro-Raum gerechnet werden kann. Vielmehr wird die Wirtschaftsleistung zwischen Januar…

Insolvenzen sanken 2020 wegen des Insolvenzrechts, aber Forderungsausfälle stiegen

Die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sorgt dafür, dass die Insolvenzmeldungen derzeit nicht die wirtschaftliche Entwicklung in der Corona-Krise widerspiegeln. Vielmehr sind die tatsächlichen Insolvenzzahlen stark verzerrt: So sanken die Unternehmensinsolvenzmeldungen von Januar bis Oktober 2020 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um 15 Prozent. Im Oktober gaben sie gegenüber dem Vorjahresmonat sogar um fast 32 Prozent nach. Die Höhe der von den Insolvenzen voraussichtlich betroffenen Forderungen ist dagegen im vergangenen Jahr in die Höhe geschnellt. Im Vergleich zum Vorjahr haben in der Corona-Krise damit tendenziell größere Unternehmen Insolvenz anmelden müssen. Nach Angaben der Creditreform haben sich die Insolvenzen bei Unternehmen mit einem jährlichen Umsatz über 50 Mio. Euro im Jahr 2020 verdoppelt, bei rückläufiger Gesamtzahl. Der Forderungsausfall durch Unternehmensinsolvenzen dürfte seit der Finanzkrise im Jahr 2009 nicht mehr so hoch ausgefallen sein wie im vergangenen Jahr. Damit zeigte die Corona-Krise trotz aller staatlicher Hilfen und der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht doch Auswirkungen auf das…

Bilanz 2020: Hat die Senkung der Mehrwertsteuer geholfen?

Im Juni 2020 brachte die Bundesregierung ein Konjunkturpaket auf den Weg, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise abzumildern. Eine zentrale Maßnahme in diesem Paket war die temporäre Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent (regulärer Satz) bzw. von 7 auf 5 Prozent (ermäßigter Satz). Damit sollte vor allem der durch die Lockdowns und Kontaktbeschränkungen besonders betroffene Einzelhandel unterstützt werden. Zum Jahresanfang 2021 sind die Umsatzsteuersätze wieder auf ihr vorheriges Niveau angestiegen, Zeit also für eine erste Bilanz. Schließlich war die Entscheidung zur Mehrwertsteuersenkung von Anfang an nicht unumstritten, nicht zuletzt weil es sich dabei um die kostspieligste Maßnahme des Konjunkturpakets handelte. Geschätzte 20 Milliarden Euro sind dem Staat wohl an Einnahmen entgangen. Das ifo Institut kommt in einer aktuellen Analyse zu dem Schluss, dass die Senkung der Mehrwertsteuer die gesteckten Ziele nicht erreicht hat. Zwar sei eine gewisse Steigerung der Anschaffungsneigung erreicht worden, doch belaufen sich die zusätzlichen Konsumausgaben…

Private Geldvermögen in Deutschland wachsen 2020 dank hoher Ersparnis

Das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland dürfte 2020 nach unseren vorläufigen Berechnungen um 393 Mrd. Euro oder 5,9 Prozent auf rund 7,1 Billionen Euro gewachsen sein. Im Vergleich zum Vorjahr, als der Vermögensaufbau noch 7,7 Prozent betrug, hat sich das Wachstumstempo leicht abgeschwächt. 2019 trugen noch sehr hohe Kursgewinne an den Aktienmärkten wesentlich zum Vermögenszuwachs bei. Auch wenn man 2020 vor dem Hintergrund der Corona-Krise mit der Wertentwicklung von Aktien und Aktienfonds mehr als zufrieden sein konnte, fiel der kursbedingte Anstieg des privaten Geldvermögens diesmal geringer aus. Zudem fand eine nennenswerte Verzinsung von Einlagen und Rentenpapieren erneut kaum noch statt. Letztlich war der Geldvermögenszuwachs 2020 vor allem der durch die Corona-Krise extrem hohen Ersparnis zu verdanken. Einerseits haben viele private Haushalte aus Sorge vor Einkommenseinbußen durch Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit ihren Konsum vorsorglich eingeschränkt. Andererseits behinderten Lockdown-Maßnahmen vor allem in der ersten Hälfte des zweiten Quartals und gegen Ende des…

Brexit: Diese deutschen Branchen sind besonders betroffen

Auch wenn der Grund für den derzeitigen Verkehrskollaps an der britischen Grenze noch nicht der Brexit, sondern die in Großbritannien aufgetauchte Mutation des SARS-CoV-2-Virus war, haben die letzten Tage gezeigt, welche Auswirkungen ein No-Deal-Brexit auf die Wirtschaft im Vereinigten Königreich haben könnte. Aber auch die Exporteure und Importeure in der Europäischen Union und in Deutschland sowie die Logistik- und Verkehrsunternehmen bekommen damit einen verfrühten Vorgeschmack auf die möglichen Folgen eines No-Deal-Brexits. Dabei hat Großbritannien als Handelspartner Deutschlands bereits in den vergangenen fünf Jahren stark an Bedeutung verloren. Bei den Exportzielen fiel das Land von Rang 3 im Jahr 2015 auf Rang 5 in diesem Jahr. Bei den wichtigsten Import-Herkunftsländern rutschte Großbritannien sogar aus den Top-10, nämlich von Platz 9 im Jahr 2015 auf Platz 11. Angesichts der langen Zeit seit dem Referendum vom 23. Juni 2016 haben sich viele deutsche Unternehmen bereits auf den Brexit eingestellt. Es gibt aber immer…

Deutsche Staatsfinanzen weiter sehr solide

Die Bundesregierung plant für 2021 eine deutlich höhere Neuverschuldung. Lag die Planungsgröße des Bundes für die Neuverschuldung im Oktober noch bei 96 Mrd. Euro, werden nunmehr bereits 180 Mrd. Euro fürs kommende Jahr angepeilt. Die Kritik an der Finanzpolitik der Bundesregierung wurde zuletzt daher immer lauter. Einige Kritiker befürchten sogar, dass die Staatsfinanzen aus dem Ruder laufen und nachfolgende Generationen belastet werden könnten.  Die Ergebnisse unserer Modellrechnungen zeigen allerdings: Kehrt Deutschland nach der Krise zur alten Politik der moderaten Primärüberschüsse zurück, ist mit einem deutlichen Rückgang der Schuldenstandsquote zu rechnen – bis 2027 könnte sogar das Schuldenstandsniveau von 2019 unterschritten werden. Ein wesentlicher Treiber für die Entwicklung sind die für Deutschland sehr günstigen Refinanzierungsbedingungen. Hierin unterscheiden sich die Rahmenbedingungen der aktuellen Krise deutlich von früheren – beispielsweise während der Finanz- oder der Staatsschuldenkrise. Auch bei moderat steigenden Marktrenditen würden Deutschlands Refinanzierungskosten erst einmal weiter sinken. Nur bei stark steigenden Marktrenditen…

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