Ines Roth

Einkaufsmanagerindizes im Januar – Lockdowns drücken die Stimmung

Die zweite Welle der Pandemie hat Europa noch immer fest im Griff und die Einschränkungen im Wirtschaftsleben drücken bei den Unternehmen auf die Stimmung. Der umfassende Composite Einkaufsmanager-Index für den Euro-Raum zur Lage im Dienstleistungsbereich und in der Industrie ging im Januar von 49,1 auf 47,5 Punkte zurück. Dabei belasten die aktuellen Lockdowns die Dienstleister stärker als die Industrie. Auf Länderebene zeigt die Umfrage von IHS Markit, dass sich Deutschland noch relativ gut schlägt, Frankreich dagegen vermutlich stärkere Wachstumseinbußen hinnehmen muss. Nach Angaben von IHS Markit fällt die Stimmungslage in den restlichen Euro-Ländern aber sogar noch schlechter aus. Allein die Hoffnung auf bessere Geschäftsperspektiven in zwölf Monaten ist ein Lichtblick. Der Start in das noch junge Jahr 2021 ist durch die Corona-Situation aber sehr belastet. Die Ergebnisse zeigen, dass im ersten Quartal 2021 noch nicht mit einer konjunkturellen Erholung im Euro-Raum gerechnet werden kann. Vielmehr wird die Wirtschaftsleistung zwischen Januar…

Gütesiegel für energieeffiziente Hypothekendarlehen geht an den Start

Im Bankenmarkt hält in Kürze mit dem „Energy Efficient Mortgage Label“ (EEML) ein neues Gütesiegel Einzug, das Banken für ihre ausgereichten Hypothekendarlehen zur Finanzierung von energieeffizienten Immobilien erhalten können. Das maßgeblich vom Europäischen Hypothekenverband/ European Covered Bond Council (EMF-ECBC) initiierte Label wird am 12. Februar im Rahmen einer virtuellen Veranstaltung offiziell vorgestellt. Das EEML ist als privatwirtschaftliches Gütesiegel für Verbraucher, Kreditgeber und Investoren gedacht, um energieeffiziente Hypotheken in den Portfolios der Kreditinstitute identifizieren zu können. Zudem sollen dadurch auch die „grünen“ Projekte auf EU-Ebene (zum Beispiel EU Green Deal) unterstützt werden. Banken können für ihre Kreditprogramme, die die von der Energy Efficient Mortgage Initiative definierten Anforderungen an energieeffiziente Hypothekendarlehen erfüllen (siehe Grafik), im Rahmen eines Selbstzertifizierungsprozesses das EEML beantragen. Mit Erhalt des Gütesiegels müssen die Institute mindestens quartalsweise über wesentliche Merkmale ihres EEM-Portfolios unter Verwendung eines standardisierten Berichtsformats (Harmonised Disclosure Template, HDT) berichten. Das HDT soll zu einem weltweiten Berichtsstandard für…

Herausfordernde Zeiten auch für die türkische Wirtschaft

Nach kräftigem Wachstum im dritten Quartal dürfte die türkische Wirtschaft auch im Schlussquartal 2020 ein positives Ergebnis erzielt haben. Unterm Strich ergibt sich deshalb für das abgelaufene Jahr immerhin ein Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent. Diese im internationalen Vergleich erstaunlich gute Bilanz beruht vor allem auf einem sichtbaren Zuwachs beim privaten Konsum sowie bei den Investitionen in Maschinen und Ausrüstungen. Wegen einer deutlich verschärften Lage bei der Corona-Pandemie mussten zum Jahreswechsel jedoch einige Lockdown-Maßnahmen verschärft werden. Die hierdurch entstehenden Belastungen, die vor allem den Dienstleistungsbereich betreffen, drosseln den konjunkturellen Schwung im ersten Quartal. Auch das weltweit weiter verschärfte Infektionsgeschehen lastet auf dem Ausblick für den Tourismussektor in der ersten Jahreshälfte. Weitere bremsende Effekte für die Wirtschaft sind von dem Kurswechsel bei der Geldpolitik zu erwarten. Zur Bekämpfung der erhöhten Inflation hat die Notenbank den Leitzins inzwischen auf 17 Prozent erhöht. Vor diesem Hintergrund zeigen die jüngsten Umfrageergebnisse ein eingetrübtes Stimmungsbild bei…

Neuwahlen in Italien wären aus Marktsicht die schlechteste Option

Nach dem Aus des Drei-Parteien-Bündnisses in Rom sucht Ministerpräsident Conte nach einem Weg, die Regierung fortzusetzen und damit eine noch größere politische Krise inmitten der Pandemie zu verhindern. Da nur der kleinste Koalitionspartner, Italia Viva, seinen Rückzug aus der Regierung erklärt hat, wird der Premier Gespräche mit moderaten Oppositionsparteien führen. Hierzu müsste Conte entweder auf die Forza Italia (Fi, Mitte-rechts) oder auf mehrere Kleinst- und Regionalparteien zugehen. Ein solches Bündnis wäre voraussichtlich aber politisch instabil und nur für kurze Zeit denkbar. Gelingt es Conte nicht, neue Mehrheiten zu schmieden, läge der Ball zunächst im Feld des Staatspräsidenten Mattarella. Er würde mit den größten im Parlament vertretenden Parteien über die Möglichkeiten einer Regierungsneubildung sprechen. Hier könnte eine Regierung der „nationalen Einheit“ ins Gespräch kommen, die von einer überparteilichen Person geführt würde und bis zum Ende der Pandemie im Amt bleiben könnte. Gelingt es dem Staatspräsidenten und den führenden Parteien nicht, eine…

Corporates – Pensionsrückstellungen: Erholung der Diskontierungssätze sollte sich fortsetzen

Die Pensionsrückstellungen von Unternehmen standen in der Vergangenheit am Kapitalmarkt über einen längeren Zeitraum nicht sonderlich im Fokus der Anleger. Nachdem in der Finanzkrise 2009 aufgrund des weltweiten Einbruchs der Aktienkurse die Pensionsvermögen signifikant gesunken waren, rückten in der jüngeren Vergangenheit hingegen die Pensionsrückstellungen von Kapitalgesellschaften aufgrund der Zinssensitivität der Pensionsverpflichtungen wegen der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) verstärkt in den Fokus. Zur Ermittlung des Barwertes der Pensionsverpflichtungen müssen die nach IFRS bilanzierenden Unternehmen einen Diskontierungszins verwenden, der auf qualitativ hochwertigen, manchmal auch als „erstklassig“ bezeichneten Unternehmensanleihen als Datengrundlage basiert. In der Praxis üblich und von den meisten Unternehmen unseres Research-Universums auch verwendet, sind dabei Anleihen mit einem Doppel-A-Rating (Aa / AA). Die zur Diskontierung verwendeten Renditen langfristiger Unternehmensanleihen waren jedoch im Einklang mit der EZB-Leitzinsentwicklung spürbar rückläufig. Je nach Ausgestaltung der Pensionsverträge, der Zusammensetzung der Belegschaft, der durchschnittlichen gewichteten Laufzeit (Duration) der Pensionsverpflichtungen und weiterer Einflussfaktoren steigt bei einem…

Die geldpolitische Welt hat sich nicht verändert.

Die EZB hat mit ihren gestrigen Entscheidungen ihre Politik nicht grundlegend verändert. Es werden weiterhin Anleihen gekauft. Es werden sogar für einen längeren Zeitraum Anleihen gekauft, so dass das Aufkaufvolumen auf mindestens 1500 Mrd Euro ansteigt. Zudem wurden die Zinsen weiter gesenkt – der Einlagensatz liegt nun bei -0,3%. Wenn sich nicht viel verändert hat und die monetäre Lockerung sogar noch ausgeweitet wurde, warum kam es dann zu dieser heftigen Marktreaktion? Letztendlich war es ein Kommunikationsdesaster. Die EZB hat die ins Kraut schießenden Erwartungen, die sie seit der letzten Ratssitzung im Oktober geschürt hatte, nicht gebremst, sondern immer weiter laufen lassen. Ob dies mit Absicht geschah oder nicht, kann man nicht sagen. Aber die Marktreaktionen zeigen deutlich, wie groß die Enttäuschung der Marktteilnehmer ist. Dennoch: Die Geldpolitik ist mit den gestrigen Entscheidungen noch lockerer geworden. Damit hat sich das Marktumfeld nicht verändert, so dass sich die gestrigen Marktreaktionen auch als…

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