Wirtschaftsleistung im Euro-Raum sinkt im ersten Quartal nur leicht – Aufschwung in der zweiten Jahreshälfte

Die wirtschaftlichen Folgen der dritten Welle der Corona-Pandemie in Europa fielen vergleichsweise glimpflich aus. Im ersten Quartal 2021 ist die Wirtschaftsleistung im Euro-Währungsgebiet um 0,6% gegenüber dem Vorquartal gesunken. Dies war weniger stark, als wir befürchtet hatten. Dennoch hat der Euro-Raum damit nach einem negativen vierten Quartal (‑ 0,7%) eine technische Rezession durchlaufen. Das Vorkrisenniveau vom Jahresende 2019 bleibt noch immer ein gutes Stück entfernt. Hier klafft eine Lücke von 5,5%:

Die Ergebnisse der Schnellschätzungen aus den großen Mitgliedländern zeigen dabei deutliche Unterschiede in der Wirkung der Eindämmungsmaßnahmen auf die Gesamtwirtschaft. In Deutschland ging das Bruttoinlandsprodukt um 1,7% zurück. Damit bildet Deutschland diesmal in ungewohnter Weise das Wachstumsschlusslicht im Euro-Raum. Aber auch in Spanien sank das Bruttoinlandsprodukt um 0,5% und in Italien um 0,4% Prozent. Ein positives Quartalsergebnis kam aus Frankreich. Hier legte die Wirtschaftsleistung um 0,4% zu. Und auch Belgien und Österreich vermeldeten leichte Zugewinne von 0,6% bzw. 0,2% Prozent. Trotz dieser zum Teil erfreulichen Nachrichten darf nicht vergessen werden, dass alle Volkswirtschaften das Vorkrisenniveau noch längst nicht wieder erreicht haben.

Zum Jahresbeginn dürften auf der einen Seite die fiskalischen Maßnahmen der einzelnen Staaten stärkere Rückgänge verhindert haben. Die Industrie, die von den Lockdowns so gut wie gar nicht betroffen war, sollte auf der anderen Seite deutliche Wachstumsimpulse beigesteuert haben. Dies legt zumindest der entsprechende Einkaufsmanagerindex für die Industrie in der EWU nahe. Im März konnte er sogar ein Allzeithoch erreichen. Große Teile der Dienstleister mussten dagegen für das erste Quartal aufgrund der schwierigen Bedingungen Verluste verbuchen.

Noch ist die Pandemie nicht überwunden. Rückschläge sind auch im zweiten Quartal möglich. Wir erwarten hier aber, dass das Währungsgebiet auf einen moderaten Wachstumspfad zurückkehrt. Erste Länder haben bereits wieder Öffnungsschritte vollzogen. Mit der voranschreitenden Impfung der Bevölkerung dürften sich in der zweiten Jahreshälfte stärkere Öffnungsperspektiven für die Gesamtwirtschaft ergeben. Dann sollte die Konjunktur aufgrund von Nachholeffekten im Rahmen eines „Post-Corona-Booms“ zu stärkeren positiven Wachstumsraten zurückkehren.

–Dr. Christoph Swonke

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