Bitcoin-Kursrutsch: Außergewöhnlich ist anders

Die führende Kryptowährung hatte zuletzt einen schweren Stand. Ausgehend vom Rekordhoch von knapp 65.000 USD Mitte April verlor Bitcoin zeitweise rund ein Viertel seines Werts. Hintergrund waren Meldungen, wonach US-Präsident Biden höhere Steuern für Kapitalerträge und eine strengere Regulierung des Marktsegments in seinem Land plant. Gegenwind kam auch aus der Türkei. Hier wurde das Bezahlen mit Bitcoin verboten und zwei bedeutende Krypto-Börsen kollabierten.

Fraglich ist, ob diese Einflussfaktoren wirklich die alleinige Ursache für die – trotz einer moderaten Erholung weiterhin – deutlich niedrigeren Notierungen darstellen oder eher als Auslöser gedient haben. Einen wesentlichen Beitrag zur erhöhten Sensitivität der Investoren könnte der sich zumindest perspektivisch abzeichnende Kursschwenk bei den weltweit bedeutendsten Zentralbanken leisten. So sollte die für das laufende Jahr erwartete Konjunkturerholung dafür sorgen, dass der geldpolitische Unterstützungsfaktor für das Kryptowährungssegment in Form niedriger Leitzinsen und üppiger Liquiditätsbereitstellung an Bedeutung verlieren wird. Erschwerend hinzu kommt, dass in den ersten Monaten des Jahres eine gehörige Portion Optimismus in den Bitcoin-Kurs eingepreist wurde, dürfte die teils anzutreffende Hoffnung doch überzogen sein, wonach die bedeutendste Kryptowährung Euro, Dollar & Co. zeitnah als dominierendes Zahlungsmittel ablösen werde. Untermauern lässt sich der von Kritikern geäußerte Vorwurf vorhandener Übertreibungen mit dem Verweis auf andere Kryptowährungen, die ohne Vorstellung einer möglichen Verwendung aufgelegt wurden, dafür aber durch schicke Logos und prominente Fürsprecher offensichtlich in der Lage sind, Anleger anzulocken. 

Unabhängig davon, ob es sich bei den aktuellen Bitcoin-Kursen um 55.000 USD nun um eine Blase handelt oder nicht, lässt sich feststellen, dass Kurseinbrüche in der Größenordnung der letzten Tage keineswegs ungewöhnlich sind. Bereits zwei Mal zuvor seit Jahresbeginn musste die Kryptowährung im Wochenvergleich Rückschläge ähnlichen Ausmaßes hinnehmen. Für die letzten Jahre lassen sich immer wieder Phasen identifizieren, in denen der Bitcoin-Kurs 15, 20 oder 30 Prozent und mehr innerhalb einer Woche nachgegeben hat. Das Ende einer zugrundeliegenden Aufwärtsbewegung bedeuteten die Kurseinbrüche nicht unbedingt, ebenso wenig waren sie offensichtlich Vorboten für das Ende der Kryptowährung selbst.

–Sören Hettler

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