Kupfer auf Rekordjagd

Der Kupferpreis notiert fast bei 10.000 USD je Tonne und damit knapp unter seinem Allzeithoch. Das ist schon bemerkenswert, wenn man sich vergegenwärtigt, dass der allgemeine Rohstoffmarkt, gemessen am CRB-Rohstoffindex knapp 60% unter seinem Rekordhoch von 2008 liegt. Im Herbst des letzten Jahres als wir hier im DZ Research Blog (Megatrends treiben die Metallnachfrage, 14.10.2020) darauf hingewiesen haben, dass besonders Kupfer von den laufenden Megatrends der Digitalisierung, E-Mobilität und Energiewende profitiert lag der Preis noch bei 6.700 USD je Tonne.

Die langfristigen Nachfrageperspektiven bleiben bei Kupfer weiter intakt. Die Megatrends auf der einen und die umfangreichen Fiskalpakete und Infrastrukturprogramme auf der anderen Seite treiben die Nachfrage. Nicht zuletzt wird auch auf politischer Ebene deutlich, dass CO2-Reduktionsziele zunehmend zum zentralen Thema werden. Insbesondere der US-Präsident scheint es anders als sein Vorgänger ernst zu nehmen.  Die Angebotsseite wird unseres Erachtens nicht vollumfänglich mit der Nachfragedynamik Schritt halten können, zumal auch die Minengesellschaften während des Corona-Schocks ihre Investitionen in neue Abbauprojekte reduziert haben. Bei Kupfer drohen in den nächsten Jahren daher Nachfrageüberhänge. Ausreichend Lagerbestände, wie das bei Rohöl der Fall ist, sind auch nicht vorhanden, weil im Zuge der Pandemieeindämmung viele Minenunternehmen Shutdowns verhängten und nicht produzieren konnten. 

Der Kupfermarkt ist und bleibt knapp, allerdings hat sich das mittlerweile auch unter den Spekulanten herumgesprochen, die wegen des Niedrigzinsumfeldes alternative Anlageklassen wie die Metalle entdecken. So hat sich die Netto-Long-Position der Spekulanten seit seitdem Sommer mehr als vervierfacht. Dies macht den Kupferpreis zumindest kurzfristig anfällig für Gewinnmitnahmen. Auch für die Chinesen ist das aktuelle Weltpreisniveau etwas zu hoch, sodass das Reich der Mitte zunächst wohl weniger Kupfer importieren wird. Last-but-not-least wird auch konjunkturell der Fokus nach den Lockdowns eher auf der Serviceaktivität liegen. Die industrielle Nachfragedynamik wird daher ein wenig nachlassen. Der Kupferpreis kann kurzfristig durchaus eine Verschnaufpause einlegen, perspektivisch sollte man sich aber eher auf erhöhte Kupferpreise einstellen.

— Gabor Vogel

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