China mit Rekordwachstum – dabei flaut der Boom schon wieder ab

Hohe Wachstumsraten aus China sind an sich nichts Ungewöhnliches. Mit dem BIP-Anstieg von 18,3% gegenüber dem Vorjahr, der aktuell für das zurückliegende erste Quartal gemeldet wird, stellt China aber selbst seine eigene Wachstumshistorie in den Schatten. So hoch ist das Wachstum in einem Vierteljahr wohl seit einem halben Jahrhundert nicht ausgefallen. Ein Abbild der aktuellen Konjunkturdynamik des Landes ist das Rekordwachstum jedoch nicht. Es spiegelt hauptsächlich den historischen Wirtschaftseinbruch vom vergangenen Jahr während des Höhepunkts der Corona-Krise in China wider. Mit dessen schwachem Niveau vergleicht sich die aktuelle Wirtschaftsleistung. China wird auch nicht das einzige Land bleiben, das im laufenden Jahr zeitweise ein zweistelliges Wachstum erreicht. Als Ursprungsland der Pandemie ist es aber das erste.

Gleichwohl wäre das aktuelle Wachstum längst nicht derart hoch, wäre China im vergangenen Jahr nicht eine fulminante Erholung aus der Krise gelungen. Schon im Schlussquartal 2020 hatte die chinesische Wirtschaft ihren Wachstumspfad aus der Vorkrisenzeit wieder erreicht. Dabei konnte sie sich auf eine hohe Exportnachfrage speziell nach industriell gefertigten Gütern stützen. Dank der erfolgreichen Zero-Covid-Strategie der chinesischen Regierung ergaben sich zudem beim Konsum kräftige Nachholeffekte.

Dieser Schwung ist zu Beginn dieses Jahres jedoch ins Stocken geraten. Das BIP-Wachstum gegenüber dem Vorquartal ist im ersten Quartal mit nur 0,6% weit hinter die hohen Raten vom zweiten Halbjahr 2020 zurückgefallen. Ein Grund hierfür ist in der Konsumzurückhaltung zu Jahresbeginn im Zusammenhang mit einem erneuten, wenn auch sehr kleinen, Corona-Ausbruch zu sehen. Darüber hinaus zeigt die bisherige Export-Sonderkonjunktur erste Zeichen der Abschwächung. Sie dürfte in den kommenden Monaten immer weiter nachlassen – dann nämlich, wenn die Menschen in den Industrieländern mit den zunehmenden Impferfolgen wieder mehr Geld für Dienstleistungen anstatt für langlebige Konsumgüter ausgeben.

Die gute Nachricht ist: Der private Konsum in China hat sich im März wieder erholt, die Infektionslage ist unter Kontrolle, die Importe sind kräftig. Die schwächere Konjunktur vom Jahresauftakt sollte sich so also nicht fortsetzen. Trotzdem wird sie an die hohe Dynamik des vergangenen Halbjahres nicht mehr anknüpfen können, dagegen spricht vor allem die absehbar schwächere Exportkonjunktur. Darüber hinaus könnte sich die schleppend gestartete Impfkampagne mit wohl nur eingeschränkt wirksamen Impfstoffen noch als Achillesferse erweisen. Da auch die Basiseffekte wieder entfallen, werden die Wachstumsraten im weiteren Jahresverlauf deutlich nachlassen und gegen Jahresende unter die 6%-Marke rutschen – das ist der Zielwert, den die chinesische Regierung für dieses Jahr anpeilt. Im Gesamtjahr 2021 wird China noch ein kräftiges Wachstum von schätzungsweise 8,8% erzielen, im kommenden Jahr wird es dagegen nur noch bei rund 5½% liegen.

Monika Boven

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