Für die Industrie ist der Suezkanal ein Nadelöhr

In der deutschen Industrie laufen die Geschäfte derzeit – trotz internationaler Corona-Krise – so gut wie seit vielen Jahren nicht mehr. Das zeigt auch die aktuelle ifo-Umfrage zum Geschäftsklima. Demnach steigt die Produktion aktuell in Rekordgeschwin­digkeit, dennoch können viele Betriebe die boomende Nachfrage nicht vollständig befriedigen. Die Auftragsbestände legen daher ebenfalls stark zu. Laut ifo-Institut sind die Exporterwartungen der Unternehmen sogar regelrecht „explodiert“.

In einer solchen Phase sorgt die Meldung über die Sperrung des Suezkanals aufgrund einer Schiffshavarie für besondere Nervosität. Nach Berechnungen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft verlaufen etwa zwei Drittel aller Importe zwischen Deutschland und Ostasien auf dem Schiffsweg. 98 Prozent der Containerschiffe auf dem Weg zwischen Deutschland und China fahren durch den Suezkanal. Das bedeutet: Mindestens acht bis neun Prozent der deutschen Warenimporte und -exporte laufen durch den Suezkanal.

Die internationalen Lieferketten stehen derzeit ohnehin unter Druck. Bei den Zulieferungen aus Asien spüren etwa die Maschinenbauer auch ohne diese aktuelle Störung schon Engpässe – insbesondere bei elektronischen Komponenten und Halbleitern. Nun könnte es hier zu weiteren Verschärfungen kommen. Selbst wenn die Sperrung des Kanals aufgehoben ist, dürfte es an den Häfen zu Staus kommen. Das alles sorgt für weitere Kostensteigerungen in der ohnehin unter Druck stehenden Industrie.

Dr. Michael Holstein

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