Griechenland: Ein fast normaler Emittent

Griechenland ist ein regelrechtes Husarenstück gelungen. Inmitten der Pandemie hat das hellenische Schatzamt erstmals seit 2008 und damit seit der Finanzkrise mit großem Erfolg eine syndizierte Anleihe mit 30 Jahren Laufzeit und einem Kupon von 1,875% sowie einer Rendite von knapp 2% begeben. Die Gebote für den 2052 fälligen Bond summierten sich auf über 26 Mrd. Euro. Die Emissionsgröße wurde bei 2,5 Mrd. Euro festgelegt, was eher am oberen Ende der Erwartungen lag.

Rund neun Jahre nach dem Zahlungsausfall ist Griechenland damit praktisch in den Kreis der etablierten staatlichen Emittenten zurückgekehrt. Unterschiede zu der Zeit vor der Krise und zu großen Emittenten wie Deutschland bestehen allerdings noch darin, dass Griechenland Anleihen weiterhin nur unregelmäßig per Syndizierung und in Abhängigkeit der Marktgegebenheit begibt. Regelmäßige Anleiheauktionen sind auf absehbare Zeit nicht zu erwarten – auch weil Griechenland durch den hohen Anteil an Hilfskrediten an den Gesamtstaatsschulden einen im Vergleich zu anderen EWU-Ländern deutlich geringeren kurzfristigen Refinanzierungsbedarf hat.

Seit Beginn der Pandemie im Frühjahr letzten Jahres hat Hellas bereits den vierten Bond neu begeben. Die Gründe für den Erfolg am Kapitalmarkt sind in erster Linie in den EZB-Anleihekäufen zu sehen. Zwar gelangen der liberal-konservativen Regierung in Athen in den vergangenen Jahren etliche Reformen, die Krise hat den Mittelmeer-Anrainerstaat aber wirtschaftlich schwer getroffen. Die Schuldenstandsquote ist 2020 voraussichtlich auf über 200% und damit ein neues Rekordhoch gestiegen. Bis Ende Januar dieses Jahres hat die EZB im Rahmen des Anleihekaufprogramms PEPP bereits griechische Anleihen im Umfang von fast 19 Mrd. Euro gekauft, nachdem Hellas beim Anleihekaufprogramm PSPP noch außen vor geblieben war. 

Zwar ist Griechenland deutlich höher verschuldet als andere EWU-Staaten, weniger als 17% der Staatsschulden (Ende 2020) entfallen jedoch auf handelbare Anleihen. Die EZB-Käufe fallen umso stärker ins Gewicht, sodass der Anteil, den die EZB aufgrund der Anleihekäufe an PEPP-fähigen Titeln hält, bereits bei über 23% liegt. Dieser Anteil dürfte wegen der beschleunigten EZB-Bondkäufe auch in den kommenden Monaten weiter zügig wachsen.

— Daniel Lenz

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