Silberstreif am Horizont

Silber wandelt sich zum Zukunftsmetall, weil es besonders von drei Megatrends profitiert. Sowohl die Digitalisierung und der 5G-Ausbau als auch die Energiewende sind wichtige Nachfragetreiber bei Silber. Da die mobil zu verarbeitenden Datenmengen wegen der Trendthemen autonomes Fahren, digitale Logistikprozesse, Industrie 4.0 und Internet der Dinge („IoT“) immer größer werden, spielt die 5G-Technologie eine Schlüsselrolle in der neuen digitalen Welt. Seit Herbst 2020 ist der Kupferpreis um gut 35 Prozent gestiegen, wohingegen Silber, das von vergleichbaren Trends profitiert, hier nicht Schritt halten konnte. Die sich aufgetane Performance-Lücke macht Silber interessant. Wir rechnen damit, dass diese zugunsten des Silberpreises geschlossen wird.

Da der Anteil der industriellen Nachfrage bei Silber in den vergangenen Jahren auf aktuell fast 60 Prozent gestiegen ist, dürfte sich Silber zukünftig von seinem Edelmetall-Status entfernen und eher als „verkapptes“ Industriemetall wahrgenommen werden. Damit kann Silber zunehmend aus dem Schatten seines großen Gold-Bruders treten. In einer zukünftigen 5G-vernetzten Welt wird Silber ein notwendiger Bestandteil in fast allen Aspekten dieser Technologie sein. Heute liegt die 5G-bezogene Silbernachfrage bei rund 7,5 Millionen Unzen (Moz), was gemessen an der gesamten silbrigen Industrienachfrage noch einen geringen Anteil darstellt, der aber in den nächsten Jahren stark steigen wird. Mit Blick auf 2030 kann sich die 5G-Nachfrage nach Angaben des Silver Institutes mehr als verdreifachen. Auch der Photovoltaik-basierte Verbrauch, der seit 2014 um gut 11 Prozent jährlich gestiegen ist, wird robust bleiben. Nicht zuletzt auch, weil die Sonnenenergie am globalen Energiemix weiter an Bedeutung gewinnt.

Die Nachfragedynamik wird in 2021/22 weiter zulegen, weil sich die Konjunktur rasch erholen wird und es zu einem Post-Corona-Boom kommt. Mit der zu erwartenden Nachfragesteigerung kann das globale Silberangebot nicht vollumfänglich Schritt halten und es droht ein Marktdefizit. Da der Knappheitsgrad am Silbermarkt zunehmen wird, sehen wir weiteres Potenzial beim Silberpreis und formulieren ein 12-Monatspreisziel von 29 USD je Unze. Ein Risiko für unsere Prognose wären umfangreiche Silberabflüsse aus den ETFs, wovon wir aber wegen der entlang unseres Prognosehorizontes negativ bleibenden Realzinsen und den damit verbundenen geringen Opportunitätskosten des Silberbesitzes nicht ausgehen.

Gabor Vogel

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