China befeuert deutsche Industrie

China hat im vergangenen Jahr eine Turbo-Erholung hingelegt: Schon im zweiten Quartal konnte die Industrie den tiefen Corona-Einbruch von 25 Prozent aus dem Vorquartal wieder aufholen. Auch die Gesamtwirtschaft konnte ihr Vorkrisenniveau bereits im Frühjahr wiederherstellen, als die Weltwirtschaft gerade erst in die Corona-Krise absackte. Nicht nur dieser zeitliche Vorsprung kam Chinas Industrie zugute. Die weltweite Verschiebung der Konsumgewohnheiten in der Pandemie – weg von Dienstleistungen, hin zu Gebrauchsgütern – bescherte der Volksrepublik als größtem Hersteller von industriell gefertigten Produkten eine Export-Sonderkonjunktur.

Der schnelle Aufschwung Chinas nach der Corona-Krise kam aber auch deutschen Unternehmen zugute. Sie profitierten von der wieder erstarkten Nachfrage aus China, während andere potentielle Lieferregionen noch in der Krise steckten. China war zwar schon vor der Krise wichtigster Handelspartner Deutschlands. Im vergangenen Jahr konnte die Volksrepublik diese Stellung aber ausbauen.

Auf der Exportseite erhöhte sich während der Corona-Pandemie für fast alle Industriebranchen die wirtschaftliche Bedeutung Chinas. Besonders stark war dies in der Kfz-Industrie sowie bei den Herstellern von Elektronik und Optik der Fall. So konnte etwa die Ausfuhr von Autos und Autoteilen von Deutschland nach China im zweiten Halbjahr 2020 im Vergleich zu den vorangegangenen sechs Monaten um fast 25 Prozent gesteigert werden, nachdem sie im ersten Halbjahr 2020 noch um knapp 10 Prozent zurückgegangen war. Bei den Importen ist Deutschland vor allem bei Textilien und Elektronikerzeugnissen auf Lieferungen aus China angewiesen.

Längerfristig ist zu erwarten, dass der private Konsum in China auch weiterhin dynamisch zulegen wird. Die deutschen Autohersteller und –zulieferer sollten sich also über eine länger anhaltende Nachfrage der chinesischen Kunden freuen dürfen. Der aktuelle Nachfrageboom bei den chinesischen Exporten dürfte jedoch eine Sonderkonjunktur bleiben und dementsprechend nach und nach abebben. Das werden auch deutsche Unternehmen zu spüren bekommen. Während es den Maschinenbau eher indirekt über eine längerfristig niedrigere Nachfrage treffen könnte, sind die im Import aktiven deutschen Großhändler direkt betroffen.

Dr. Claus Niegsch und Monika Boven

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