Spanien: Wirtschaftliche Erholung hängt am Tropf des Tourismus

Spanien gehört wirtschaftlich zu den großen Verlierern des Corona-Jahres 2020. Der Rückgang der Wirtschaftsleistung um 11,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr war nicht nur gewaltig. Der Einbruch katapultierte das Niveau des Bruttoinlandsproduktes (BIP) zweitweise in das Jahr 2002 zurück. Ein wesentlicher Grund für den kräftigen Einbruch der Wirtschaftsleistung seit Pandemiebeginn lag vor allem auch in der Entwicklung des Tourismus. Dieser ist ein wichtiger Eckpfeiler der spanischen Volkswirtschaft. Laut dem internationalen Forum der Reise- und Tourismusindustrie (WTTC = World Travel & Tourism Council) hat der Tourismusbereichs im Vorkrisenjahr 2019 hohe 14,3 Prozent zur gesamten Bruttowertschöpfung beigetragen.

Die Tourismusbranche hat nach eigenen Angaben die Wintermonate bereits „abgeschrieben“. Große Hoffnungen ruhen nun auf einer Belebung ab dem Frühjahr. Umfragen unter Verbrauchern weisen auf eine hohe Reisebereitschaft hin und die spanischen Fremdenverkehrsverbände sprechen bereits wieder von soliden Buchungszahlen, insbesondere für die Sommermonate. Dennoch geben die Umfrageergebnisse auch eine gewisse Kundenskepsis wider. Von einem Andrang wie in Vor-Corona-Zeiten ist man noch weit entfernt. Stattdessen warten viele Reisewillige erst einmal ab und wollen wohl eher kurzfristig buchen.

Bis sich ein normalisierter Betrieb in den Unternehmen und in der Urlaubsstatistik widerspiegelt, dürften aber noch mehrere Quartale vergehen. Wir sehen einen fortgesetzten Erholungsprozess, der sich mindestens bis in das kommende Jahr hinein erstreckt. Diese Prognose unterliegt jedoch erheblichen Risiken. Insbesondere könnte es bei einem ungünstigen Infektionsgeschehen oder schärfer als erwarteten Reisebeschränkungen zu vermehrten Buchungsstornierungen kommen.

Matthias Schupeta

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