Dollar-Lira unterschreitet Marke von 7,00 TRY

Bis vor gut drei Monaten eilte die türkische Landeswährung von einem historischen Tief zum nächsten. Zeitweise näherte sich das Währungspaar Dollar-Lira Kursen von 8,60 TRY. Ein zu hoher Preisdruck, offensichtlich geschönte Inflationszahlen und eine viel zu lockere Geldpolitik waren die Ursache für diesen Wertverfall. Seither hat sich einiges getan. Auslöser für den veränderten Blick auf die Türkei waren die Entscheidung von Staatspräsident Erdogan, den Zentralbankchef auszutauschen, und der Rücktritt von dessen Schwiegersohn vom Posten des Finanzministers.

Anfang November hatte Naci Agbal den Posten des Zentralbankchefs übernommen. Drei geldpolitische Sitzungen und zwei Leitzinserhöhungen später hat sich die Lira nicht nur spürbar erholt. Vielmehr ist sie die Währung mit der mit Abstand besten Performance der vergangenen Monate. Über 20% konnte die Landeswährung seit der Amtsübernahme Agbals gegenüber dem US-Dollar zulegen, allein seit Jahresbeginn beträgt das Plus knapp 7%. Gekrönt wurde die beeindruckende Performance heute Morgen. Erstmals seit Sommer letzten Jahres fiel das Währungspaar Dollar-Lira wieder unter die Marke von 7,00 TRY.

Die Notwendigkeit zusätzlicher restriktiver geldpolitischer Schritte besteht angesichts einer Inflationsrate von rund 15% (J/J) und eines Leitzinses von 17% aktuell nicht. Aus Sicht der Lira ist die Hauptaufgabe der Notenbank, das zurückgewonnene Vertrauen und die Glaubwürdigkeit in eine auf Preisniveaustabilität ausgerichtete Geldpolitik vonseiten der Marktteilnehmer zu festigen. Dabei sind die Währungshüter zwar zweifelsfrei auf einem guten Weg. Um den Prozess weiter zu unterstützen und die immer wieder aufblitzende öffentlichkeitswirksame Kritik des Staatspräsidenten nicht allzu groß werden zu lassen, wären jedoch sichtbare Erfolge hinsichtlich eines rückläufigen Preisdrucks hilfreich. Marktseitig wird hierbei mit Fortschritten im Verlauf des zweiten Quartals gerechnet. Die Kombination aus einer nachlassenden Inflationsrate in der Türkei, einer global weiterhin sehr expansiv ausgerichteten Geldpolitik sowie Fortschritten bei der Pandemiebekämpfung und ersten greifbaren konjunkturellen Lichtblicken sollte dabei den Weg für eine weitere Aufwertung der Türkischen Lira bereiten.

— Sören Hettler

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