Brasilien: Prekäre Gesundheitslage trotz warmer Jahreszeit

Trotz der warmen Jahreszeit hat sich in Brasilien im Rahmen der Corona-Pandemie das Infektionsgeschehen zuletzt wieder deutlich verschärft. In einzelnen Landesteilen herrschen bei der Versorgung von schwer erkrankten Personen katastrophale Zustände, so dass inzwischen bereits 222.666 Brasilianer durch das Virus verstorben sind. Im weltweiten Vergleich rangiert das Land bezüglich der Zahl der Corona-Ansteckungen nach den USA und Indien auf Rang drei: Etwas mehr als neun Millionen Brasilianer/innen sind laut WHO mit dem Virus infiziert. Dass es zu dieser prekären Gesundheitslage gekommen ist, liegt sicher auch daran, dass der seit zwei Jahren regierende Präsident Bolsonaro noch bis vor kurzem die Gefährlichkeit von Covid-19 in aller Öffentlichkeit geleugnet hat. Aber massiver Druck der Opposition und umfangreiche Straßenproteste haben dazu geführt, dass jetzt auch in Brasilien mit ersten Impfungen begonnen werden konnte.

Die starke Ausbreitung des Virus und auch das Entstehen von neuen Mutationen waren wohl vor allem deshalb möglich, weil von der Regierung keine landesweit einheitlichen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus ergriffen wurden. So existieren immer noch keine einheitlichen Test- und Tracking-Verfahren. Andererseits wurden in vielen Landesteilen schon vor Monaten die Schulen geschlossen. Darüber hinaus haben viele Unternehmen frühzeitig Schutzmaßnahmen für ihre Mitarbeiter ergriffen und unter anderem auch das Arbeiten im Homeoffice erleichtert. Für den öffentlichen Raum erfolgen die Regelungen und Beschränkungen letztlich aber nur auf regionaler oder lokaler Ebene und basieren auf sehr unterschiedlichen Ampelsystemen. Letztlich musste dadurch die brasilianische Wirtschaft in 2020 aber nur einen im internationalen Vergleich milden Rückgang um rund 4,7 Prozent verkraften.

In den Metropolregionen reagierte das Gesundheitswesen im vergangenen Jahr frühzeitig auf die Pandemie. Dennoch stößt inzwischen auch im Großraum Sao Paulo das Gesundheitssystem trotz international renommierter Krankenhäuser an seine Grenzen. In dieser Region leben immerhin rund 44 Millionen Menschen, das ist etwas mehr als ein Fünftel der brasilianischen Bevölkerung. Der jüngste Anstieg bei den Neuerkrankungen ist aber wohl nicht nur auf die neue, noch ansteckendere Virus-Variante zurückzuführen. Es kommt noch hinzu, dass beispielsweise das übliche Strandleben mit großen Menschenansammlungen ganz normal stattfindet. Hingegen sind der weltberühmte Straßenkarneval in Rio de Janeiro, der normalerweise im Februar stattfinden würde, und alle damit im Zusammenhang stehenden Veranstaltungen bereits abgesagt worden.

Dr. Christine Schäfer

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