EWU-Konjunktur: Die Hoffnung auf den Aufschwung lebt!

Der Euro-Raum befindet sich mitten in der zweiten Pandemie-Welle, doch die Zeichen für einen bevorstehenden wirtschaftlichen Aufschwung mehren sich. Das verdeutlicht die aktuelle Entwicklung unseres konjunkturellen Frühindikators. Der DZ BANK Euro-Indikators ist im Januar 2021 um 0,8 Prozent auf ein Niveau von 98,8 Punkten angestiegen. Damit liegt die Jahresveränderungsrate des Indikators mit +0,2 Prozent erstmals seit rund zweieinhalb Jahren wieder über der Nulllinie.

Den Rückschlag aus dem November, als der beginnende Lockdown in einer ganzen Reihe von Ländern vor allem die europäischen Stimmungsindikatoren merklich belastet hatte, konnte im abgelaufenen Monat mehr als aufgeholt werden. Dabei haben zuletzt fast alle in die Berechnung eingehenden Subindikatoren zur Erholung unseres Frühindikators beigetragen. 

So konnte sich das Verbrauchervertrauen in Europa gemäß der Umfrage der EU-Kommission im Dezember wieder etwas erholen. In den Herbstmonaten war die Messzahl auf den niedrigsten Stand seit dem Frühjahr gefallen. Im Dezember schätzten die privaten Haushalte den allgemeinen Konjunkturausblick trotz des Lockdowns in vielen Ländern schon wieder etwas besser ein und waren auch im Hinblick auf die Entwicklung ihrer eigenen finanziellen Situation nicht mehr so pessimistisch wie in den Vormonaten. Selbst die Bereitschaft, größere Anschaffungen zu tätigen, hat zuletzt wieder zugenommen – auch wenn vielerorts die Einzelhandelsgeschäfte geschlossen bleiben. Insgesamt muss aber, trotz der jüngsten Aufhellung, auch festgestellt werden, dass die Stimmungsindikatoren noch deutlich unterhalb ihrer langjährigen Mittelwerte liegen und eine durchgreifende Erholung der privaten Konsumausgaben für die kommenden 2-3 Monate unwahrscheinlich ist.

Im Industriebereich sieht die aktuelle Situation hingegen deutlich positiver aus. Die Umfrage unter den Einkaufsmanagern signalisiert aktuell sogar das beste Geschäftsklima seit Mai 2018. Die von IHS Markit ermittelte Messzahl für den Einkaufsmanagerindex liegt mit 55,2 Punkten deutlich im Wachstumsbereich. Die Produktion wurde demnach mit beschleunigter Rate ausgeweitet, was auf ein anziehendes Neugeschäft zurückzuführen ist. Dabei legten die Exportaufträge besonders kräftig zu. Auch die Umfrage der EU-Kommission zu den Produktionserwartungen im verarbeitenden Gewerbe signalisiert ein aufgehelltes Geschäftsklima. Der Ausblick der Unternehmen hat sich nach dem tiefen Einbruch im Frühjahr deutlich verbessert, auch wenn die Messzahlen immer noch unter ihrem langjährigen Mittelwert liegen.

Auch von den Finanzmärkten kamen zuletzt per Saldo positive Signale. Während die Zinsdifferenz zwischen Kapital- und Geldmarkt weitgehend unverändert blieb, sind die Aktienkurse im abgelaufenen Monat weiter angestiegen. Insgesamt stimmen die Aussichten in Richtung Frühjahr/Sommer 2021 also durchaus zuversichtlich.

— Dr. Michael Holstein

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