Pandemie als Preistreiber auf den internationalen Häusermärkten

Die Corona-Krise hat der Konjunktur weltweit einen schweren Schlag versetzt. Doch viele Häusermärkte lassen sich davon nicht bremsen. Stattdessen stieg die Nachfrage nach Häusern und Wohnungen und beschleunigte den Preisanstieg noch. Das war in früheren Wirtschaftskrisen anders, die auch auf die Häusermärkte durchschlugen. Gedämpft hat die Pandemie nur die Wohnungsmärkte, die besonders schwer von der Pandemie betroffen sind. Dazu zählen durch das eingebrochene Tourismusgeschäft Spanien und Portugal. In Irland lastet die Brexit-Unsicherheit auf dem Immobilienmarkt.

Was sind die Ursachen? Die Hypothekenzinsen sind noch tiefer gesunken und haben damit die Erschwinglichkeit verbessert. Ein weiterer preistreibender Faktor ist das teilweise knappe Wohnungsangebot. Entscheidender für die hohe Eigenheimnachfrage sind die erheblichen Auswirkungen der Pandemie auf das tägliche Leben. Durch den Lockdown, weniger soziale Kontakte, geschlossene Freizeiteinrichtungen und Shopping-Center haben die Menschen viel Zeit zuhause verbracht. Das Wohnen wurde aufgewertet und die Wertschätzung der eigenen vier Wände stieg. Für Homeoffice sind großzügigere Wohnungen von Vorteil. Als Folge des Abstandhaltens werden weniger eng bebaute Lagen bevorzugt. Die damit verbundenen längeren Arbeitswege macht Homeoffice erträglicher. Damit sind vor allem Einfamilienhäuser im Umland der Großstädte in den Fokus der Käufer gerückt.

Wird sich die Entwicklung an den Häusermärkten 2021 fortsetzen? Trotz weiterhin niedriger Zinsen dürfte sich die Erschwinglichkeit abschwächen. Anziehende Immobilienpreise erfordern höhere Kredite und führen zu steigenden Kreditraten, wenn nicht gleichzeitig wie in den vergangenen Monaten die Zinsen sinken. Letzteres wird sich im Zuge der wirtschaftlichen Erholung aber wohl nicht fortsetzen. Noch nachteiliger könnte sich die verschlechtere wirtschaftliche Situation der privaten Haushalte auswirken. In vielen Ländern ist im kommenden Jahr mit einer höheren Arbeitslosigkeit gegenüber 2020 zu rechnen.

Die gestiegene Wertschätzung für das Eigenheim dürfte erhalten bleiben. Wie im Zeitraffer hat die Corona-Pandemie die Digitalisierung vorangetrieben und damit das tägliche Leben nachhaltig beeinflusst. Diese Entwicklung wird über die Pandemie hinauswirken. Beispiel Homeoffice: Viele Unternehmen setzen auf flexibles Arbeiten, um Büroflächen zu verkleinern. Auf das bequeme Online-Shopping werden viele Menschen nicht verzichten wollen. Häuser und Wohnungen sind stärker in den Lebensmittelpunkt gerückt, was die Bereitschaft zu höheren Wohnungsausgaben unterstützt. Der Hauspreisanstieg dürfte sich dennoch abflachen, weil die steigenden Preise die Erschwinglichkeit und die Rezessionsfolgen die Einkommensentwicklung belasten. Dabei reduziert die konjunkturelle Erholung die Gefahr von größeren Preiseinbrüchen an den Häusermärkten. Mit den auf dem Zinstief basierenden hohen Marktbewertungen wächst aber die Anfälligkeit für Korrekturen.

Thorsten Lange

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