Brexit: Einigung – aber kein Feuerwerk

Es ist endlich geschafft: die EU und Großbritannien haben sich pünktlich zu Weihnachten auf ein Freihandelsabkommen geeinigt. Die Ratifizierung des Vertrages steht noch aus, doch dies sollte eine reine Formalität sein. Weder das britische noch das EU-Parlament werden sich gegen den Vertrag stellen. Sogar eine technische Verlängerung der Übergangsphase konnte erfolgreich vermieden werden, stattdessen wird der Vertrag bereits am 1. Januar 2021 vorläufig umgesetzt. Aus Boris Johnsons Sicht ist also alles gut gelaufen, kann er doch nun sein Wahlversprechen „Get Brexit done“ einlösen und sich in der Presse als Sieger feiern lassen.

Dass sich der Weihnachts-Brexit-Deal dennoch nicht als das Geschenk entpuppen könnte, auf das alle gehofft hatten, lässt sich bereits an der äußerst verhaltenen Marktreaktion ablesen. Gegenüber dem Dollar legte das Pfund zwar zunächst leicht zu, konnte seinen Vorstoß über die Marke von 1,36 USD allerdings nur kurz halten, bevor die Reise erneut in Richtung Süden ging. Zum einen ist dies fraglos der Tatsache geschuldet, dass der Markt eine Einigung vor Ende des Jahres bereits voll eingepreist hatte. Zum anderen dürfte aber auch die Erkenntnis mit reinspielen, dass die Briten nun direkt am 1. Januar 2021 unter vollkommen neuen Bedingungen mit der EU handeln werden. Und diese sind, egal was der Premierminister behauptet, nicht vorteilhaft. Ein harter Brexit mit einem Rückfall auf WTO-Status konnte verhindert werden, doch auch der Brexit mit Vertrag wird tiefe Spuren in der ohnehin angeschlagenen Wirtschaft hinterlassen. Bereits vor Weihnachten hatte die Corona-bedingte Grenzschließung einen Vorgeschmack auf das zu erwartende Chaos gegeben.

Die verhaltene Reaktion des Marktes ist also absolut gerechtfertigt. Anstatt den Brexit-Deal mit einem Kursfeuerwerk zu feiern, sieht sich der Markt nun mit der Erkenntnis konfrontiert, dass Schlimmeres zwar verhindern werden konnte, die neue Realität aber kaum weniger schön ist. Wir bleiben daher bei unserer vorsichtigen Haltung gegenüber dem Pfund und gehen davon aus, dass die Währung gegenüber dem US-Dollar schon bald wieder Kurs in Richtung der Marke von 1,30 USD nimmt.

Sonja Marten

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