Brexit: Diese deutschen Branchen sind besonders betroffen

Auch wenn der Grund für den derzeitigen Verkehrskollaps an der britischen Grenze noch nicht der Brexit, sondern die in Großbritannien aufgetauchte Mutation des SARS-CoV-2-Virus war, haben die letzten Tage gezeigt, welche Auswirkungen ein No-Deal-Brexit auf die Wirtschaft im Vereinigten Königreich haben könnte. Aber auch die Exporteure und Importeure in der Europäischen Union und in Deutschland sowie die Logistik- und Verkehrsunternehmen bekommen damit einen verfrühten Vorgeschmack auf die möglichen Folgen eines No-Deal-Brexits.

Dabei hat Großbritannien als Handelspartner Deutschlands bereits in den vergangenen fünf Jahren stark an Bedeutung verloren. Bei den Exportzielen fiel das Land von Rang 3 im Jahr 2015 auf Rang 5 in diesem Jahr. Bei den wichtigsten Import-Herkunftsländern rutschte Großbritannien sogar aus den Top-10, nämlich von Platz 9 im Jahr 2015 auf Platz 11.

Angesichts der langen Zeit seit dem Referendum vom 23. Juni 2016 haben sich viele deutsche Unternehmen bereits auf den Brexit eingestellt. Es gibt aber immer noch eine Reihe von Branchen, die überdurchschnittlich stark in Großbritannien engagiert sind. So gingen etwa in den ersten zehn Monaten dieses Jahres mehr als 10 Prozent der gesamten deutschen Exporte von „sonstigen Fahrzeugen“ ins Vereinigte Königreich. Der Anteil der Ausfuhren nach Großbritannien am Gesamt-Export dieser Gütergruppe, die etwa Schiffe, Schienenfahrzeuge, Flugzeuge oder auch Fahrräder umfasst, hat sich gegenüber 2015, dem letzten Jahr vor dem Start des Brexit-Prozesses, damit nahezu verdoppelt. Bei Metallen beträgt der Anteil Großbritanniens an den gesamten Ausfuhren auch noch fast 9 Prozent. Großbritanniens Bedeutung ist auch hier seit 2015 gestiegen. Aus dem Automobilsektor landeten immerhin 8,4 Prozent der gesamten deutschen Ausfuhren auf der Insel. Vor fünf Jahren waren es aber noch über 10 Prozent.

Deutschland ist auch noch auf eine Vielzahl von Waren und Vorprodukten aus Großbritannien angewiesen. Immerhin 3,4 Prozent aller nach Deutschland eingeführten Güter kommen von dort (2015: 4 Prozent). Importiert werden insbesondere „sonstige Fahrzeuge“ und Erdöl- und Erdgas. Aber auch pharmazeutische und chemische Erzeugnisse sowie Metalle liegen leicht über dem Durchschnitt. Gegenüber 2015 stieg der Anteil der Importe von Pharmaerzeugnissen sowie Erdöl- und Erdgas leicht, bei den sonstigen Fahrzeugen hat die Bedeutung Großbritanniens sogar stark zugenommen. Dagegen reduzierte sich die Abhängigkeit der Autoindustrie vom Vereinigten Königreich spürbar.

Sicherlich hat in diesem Jahr die Corona-Pandemie nicht nur die Außenhandelsstatistik mit Großbritannien etwas durcheinandergewirbelt. Unstrittig ist jedoch, dass das Vereinigte Königreich trotz seiner wegen der Brexit-Erwartungen gesunkenen Bedeutung immer noch ein Schwergewicht unter den deutschen Handelspartnern ist.

— Dr. Claus Niegsch

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