Weihnachtsgeschäft bleibt voraussichtlich erstmals seit 2009 hinter dem Vorjahr zurück

Die Monate November und Dezember sind die umsatzstärkste Zeit für den deutschen Einzelhandel. So lag in den vergangenen fünf Jahren der Umsatz im Dezember um durchschnittlich 18 Prozent über dem jeweiligen Jahresumsatz. Das Weihnachtsgeschäft fängt dabei bereits im November an und zieht sich normalerweise über Weihnachten hinaus. Schließlich wollen Geldgeschenke auch noch umgesetzt werden.

Wegen der Corona-Pandemie ist in diesem Jahr jedoch alles anders. Das erste Mal seit 2009 dürften die Einzelhandelsumsätze im Weihnachtsgeschäft sinken. Schon der leichte Lockdown ab November belastete das Weihnachtsgeschäft der Läden in den Innenstädten. Ohne Weihnachtsmarkt und Gastronomie als zusätzliche Anreize verkam der Einkaufsbummel zu einem reinen Geschenke-Besorgen. Dann ist der Weg zu einer Internet-Bestellung auch nicht mehr weit.

Der harte Lockdown ab dem 16. Dezember wird die Lage der Innenstadtgeschäfte weiter stark verschlechtern. Letzte Besorgungen erfolgen in den Online-Stores. Zudem werden Geldgeschenke entweder gespart oder wie auch Gutscheine im Internet umgesetzt. Zwar haben sich viele Läden bereits in der Zeit des ersten Lockdowns im Frühjahr ein zweites Standbein im Internet geschaffen. Der Großteil des späten Geschenkekaufs dürfte dennoch bei den großen Internethändlern erfolgen. Daran wird auch die Möglichkeit zum Click & Collect und zur telefonischen Beratung nur wenig ändern.

Für das gesamte Weihnachtsgeschäft im November und Dezember erwartet der Handelsverband Deutschland (HDE) einen Rückgang von 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für den Onlinehandel rechnet der HDE dagegen mit einem Umsatzwachstum von fast einem Drittel. Angesichts eines Onlinehandel-Wachstums von fast 22 Prozent in den ersten drei Quartalen dürfte die Prognose nicht zu optimistisch sein.

Sieht man vom schlechten Verlauf des Weihnachtsgeschäfts in den Innenstadtgeschäften einmal ab, konnten sich zumindest vor dem harten Lockdown noch einige Segmente über ein durchaus gelungenes Weihnachtsgeschäft freuen. Neben Geschenkgutscheinen waren in diesem Jahr insbesondere Spielwaren, Bücher, Unterhaltungselektronik und Haushaltswaren gefragt, also Waren, die ohnehin überdurchschnittlich vom Weihnachtsgeschäft abhängen. Außerdem blieb die Nachfrage nach Lebensmitteln auch zum Jahresende hin hoch. Weitaus weniger erfreulich verlief die Entwicklung dagegen im Bekleidungshandel. Hier setzte sich der schwache Verlauf des Gesamtjahres auch im Weihnachtsgeschäft fort.

— Dr. Claus Niegsch

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