Neues US-Fiskalpaket führt nicht zum Renditeanstieg der US-Treasuries

Die politischen Entscheidungsträger in den Vereinigten Staaten haben sich auf ein Fiskalpaket in Höhe von 900 Mrd. US-Dollar geeinigt. Der Finanzierungsbedarf wird im kommenden Jahr somit hoch bleiben. Die Hilfsmaßnahme wird zweifelsohne größtenteils über neue Schulden finanziert. Damit geht unweigerlich ein Anstieg der Emissionen von US-Staatsanleihen einher. Je mehr Staatsanleihen begeben werden, desto größer ist die Gefahr steigender Renditen für die US-Staatsanleihen. Dieses Risiko halten wir für die Vereinigten Staaten jedoch für begrenzt. Für diese Erwartung lassen sich verschiedene Gründe anführen. Zum einen verharrt die Inflationsrate auf Sicht des kommenden Jahres weiterhin auf einem niedrigen Niveau. Zum anderen erachten viele weltweit tätige Investoren US-Staatsanleihen als äußerst sicher und liquide, sodass sie entsprechend investieren dürften. Eine hohe Nachfrage nach US-Staatstiteln insbesondere in den Corona-bedingt unsicheren Zeiten dürfte dazu beitragen, einen starken Anstieg der Renditen zu verhindern. Der Hauptgrund für anhaltend niedrige Renditen in den Vereinigten Staaten sind allerdings die Anleihekäufe der Fed. Die Frage, wer das enorme Haushaltsdefizit und den damit verbundenen riesigen Emissionsbedarf der Vereinigten Staaten finanzieren wird, lässt sich zumindest auf Sicht der kommenden ein bis zwei Jahre beantworten. Angesichts der fragilen wirtschaftlichen Situation dürfte die US-Notenbank verhindern, dass die US-Renditen aufgrund des hohen Budgetdefizits steigen. Hierfür gibt es gute Gründe: Höhere Renditen würden die wirtschaftliche Entwicklung zu sehr belasten. Mit einem für lange Zeit niedrigen Leitzinsniveau und dem Kauf von Wertpapieren hat die Fed überaus wirkungsvolle Instrumente, um einen möglichen Renditeanstieg zu begrenzen. Aufgrund des stark steigenden Budgetdefizits könnten die Renditen auf Sicht der kommenden Jahre zwar steigen, aber nicht in dem Ausmaß, wie die stark in die Höhe schießende US-Verschuldung dies befürchten lassen würde.

— Birgit Henseler

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